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Den Verläumdern Rußlands

Was lärmt Ihr, Volksredner, in schwindelnder Bethörung?
Was flucht und drohet Ihr dem heil'gen Russenland?
Was hat Euch so erregt? des Polenlands Empörung?
Schweigt! Diese Frage löst nicht Euer Unverstand;
Es ist ein alter Streit im slavischen Geschlechte,
Und keines Fremden Blick entscheidet hier das Rechte.
    Uralt und vielfach sind die Leiden
    Die dieser Hader schon erzeugt;
    Schon oft ward ein Volk von den beiden
    Durch des Gewitters Sturm gebeugt.

Wer wird im ungleichen Kampfe als Sieger erscheinen?
Neigt sich dem Polen, dem falschen — dem treuen Russen die Wage?
Werden die slavischen Flüsse im russischen Meere sich einen,
Wird es austrocknen? das ist die gewichtige Frage!

    O schweigt! Für Euch sind nicht geschrieben
    Die blut'gen Tafeln der Geschichte,
    Ihr seid dem Streite fremd geblieben
    Und unbefähigt zum Gerichte!
    Für Euch sind Kremlin, Praga stumm,
    Nach neuem Kampf seht Ihr Euch um —
    Tollkühnes Wagen ist Euch Luft,
    Haß gegen uns füllt Eure Brust . . .

    Warum? Weil wir auf den Ruinen
    Im Flammenmeer von Moskau's Brande,
    Uns widersetzten dem zu dienen,
    Der Euch in Knechtschaft schlug und Bande?
    Weil wir ihn in den Abgrund zwangen,
Ihn, der die Welt gedrückt mit seinem Heere,
    Weil wir mit unserm Blut errangen
    Europa's Freiheit, Frieden, Ehre?

In Worten seid Ihr stark — versucht es in der That,
Denkt Ihr, von Ismail der alte Feldsoldat
Vermag aufs Neue nicht sein Bajonnet zu schwingen?
Denkt Ihr, des Zaren Wort wird ungehört verklingen?
    Ist's neu für uns mit Europa zu kriegen,
    Hat der Russe verlernt zu kämpfen und siegen?
Sind unsrer wenig? Oder von Perm bis Tauris Land,
Von Finnlands kalten Felsen bis zum heißen Kyrosstrand,
    Von wo der Kremlin golden blinkt
    Bis wo sich Chinas Mauer schlingt,
    Erhebt sich Rußland nicht alsbald
    Gleich wie ein Stahl- und Eifenwald?
    Drum, eitle Schwätzer, lärmt nicht mehr!
    Schickt Eure Söhne zu uns her,
    Sie finden Platz im Russenland,
    Bei Gräbern, ihnen wohlbekannt.


Aus dem Russischen von
Friedrich Martin Bodenstedt

Alexander Puschkin
Aus der Sammlung Lyrisches und Epigrammatisches

  
  

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