Der DichterO die Wege, die da wandeln durch die Welt die kreuz und quer,
O die Ströme, die da fließen in das weit’ und breite Meer,
Und die Straßen mit den Häusern voller Menschen ohne Zahl,
Voller Lachen, voller Weinen, voller Lust und voller Qual —
Könnt’ ich wandern all die Wege, könnt’ ich fahren jeden Fluss,
Könnt’ ich weinen jede Trane, könnt’ ich küssen jeden Kuss,
Könnt’ ich all das Unermessne drangen in mein Herz hinein
Und aus meines Herzens Sprache jedem seine Sprache leihn —
Ja, dann wäre mein der Reichtum, dem kein Reichtum gleichen kann,
Und ein Mensch, ein gottbeschenkter, und ein Dichter wär’ ich dann! Ernst von Wildenbruch
Aus der Sammlung Lieder |