Lethe.Ein Ballhaus – die Lichter flirren,
wiegende Weisen erklingen –
horch, wie die Flöten girren,
wie die Geigen jauchzen und singen!
Über weißmarmorne Treppen
mit zierlichem bronznen Geländer
rieseln die breiten Schleppen
schillernder Prachtgewänder . . .
Im Tanzsaal ein Wogen und Rauschen,
ein Flimmern von Gold und Geschmeide,
ein lächelndes Blicketauschen –
Geraschel von Chiffon und Seide.
Zartrosig aus duftigen Spitzen
blühn glänzende Schultern und Arme,
schöne Augen sprühen und blitzen
voll Geist und bestrickender Charme.
Was blickst du so seltsam versonnen
In das strahlende Glühlichtgefunkel?
Träumst du von heimlichen Wonnen,
von brennenden Küssen – im Dunkel?. . .
Komm, laß dich im Tschardasch umschlingen,
stürz’ dich mit mir ins Getriebe,
horch, wie die Geigen singen –
das wilde Lied der Liebe. . .
Fremdartige Blumen blühen,
die Becher der Freude blinken,
deine schwellenden Lippen glühen –
komm, laß uns Lethe trinken. . . Leon Vandersee
Aus der Sammlung Verwehte Blüten. |