Ritter Launfals Vision - III.Gedicht von Franz Alfred Muth3.
In Traumeshaft der Ritter lag. —
Statt Junitag ist's Wintertag,
In Schlucht und Wald, auf öder Heide
Hält Jagd der Schnee in weißem Kleide,
Unendlich wirbelt's hin im Wind
Wie fliegende Schwalben, geschwind, geschwind.
Und nachts ist Heller Frostlichtglanz,
Drin wölbt der Strom sich Giebel und Kranz.
Schlanke, schwanke, krystallene Sparren.
Der Winter formt dem Lenz zum Narren
Eisblüten, Eisblätter, Hallen von Eis,
Doch blitzig und spröd' und silberweiß;
Umglitzert von Silbermoos sie stehn —
Man mag daran kaum satt sich sehn.
Doch wie im Sommer winterhaft
Schaut nun voll blühender Sommerkraft
Die hohe Burg, Herrn Launfals Schloß,
Drin lacht's und singt's von Herren und Trotz,
Festbrand glüht aus der Essen Schlund,
Wie rote Fahnen, zur Abendstund',
Und jeden First, jed' Simsgestein
Umrankt des Epheu grüner Schein.
Doch draußen vor dem Thore braust
Mit scharfem Ton der Sturm und sauft
In Ritter Launfals Greisenhaaren —
Ach, schneegebleicht sind sie seit Jahren!
Und wie des Torfes Funken sprühen,
Die Winde schneidend ihn umziehen;
Der Seneschall heißt grimmig ihn
Vom Burgportale rasch entfliehn.
Herb schließt das Thor sich vor dem Ritter,
Der bitterweinend steht am Gitter;
Ein andrer Ritter ja besaß
Die stolze Burg, drin er einst saß.
Heut' kam er heim von heil'ger Fahrt,
Gebrochen. Flocken Schnee im Gart;
Doch grrämt ihn nicht der Burg Verlust,
Seit Leidenslust in seiner Brust,
Seit ihm die bliebe aufgegangen,
Verhärmt und doch mit ros'gen Wangen.
Trug auch das Kreuz nicht mehr die Schulter,
Das Herz trug das Symbol der Dulder. —
So saß er da und sann und spann
Von alter Zeit, die lang verrann;
In alter Tage Glanz und Glut
Sucht Schutz er vor des Nordwinds Wut.
Er steht die Karawanenschlange
Am Wüstensaum, die glänzend lange,
Sieht Palmen schwanken in der Luft,
Umhaucht von fremder Blumen Duft.
Horch, neben sich: "Um Christi Qual
Almosen gebt, seid nicht von Stahl!"
Herr Launfal schaut, da war's der Greis,
Von grimmen Aussatzbeulen weiß,
In seines Elends argem Graus
Sieht er wie steinverwittert aus.
Und mitleidsvoll Herr Launfal spricht:
"Sei mir gegrüßt wie Morgenlicht!
In dir ward mir von Ihm ein Bild.
Der segnend ging durchs Aeben mild,
Der blutig hing am Kreuzesstamm
Als unsrer Sünden Opferlamm!
Auch dir ward ja der Dornen Gran',
Dein ist, o Greis, nur Spott und Hohn,
Auch dir ist Weh im Heben kund,
Sind Hände. Füße, Seite wund.
Sei mild mir, o Maria Kind,
Nimm, armer Greis, nimm doch geschwind!"
Aufflammt's wie rostg Morgenlicht
Da in des Greises Angesicht;
Herrn Launfal mahnt's an alte Zeit,
Die nun mit ihrem Stolze weit,
Da in des Panzers glühem Gold
Sein Stolz den Gral erstreiten wollt',
Da er in Hochmut nur gegeben,
Dafür erheischend ew'ges Leben.
Und seine letzte Rinde teilt
Dem Greisen er, zum Born er eilt,
Er bricht das blanke Eis, vom Quell
Schöpft er die Welle klar und hell.
Zu Festtagsbrot ward's Bröselein,
Das Wasser ward zu gold'nem Wein.
Und wie Herrn Launfals Auge blickt,
Nicht ist der Greis es mehr, gebückt,
Es ist in heil'gem Glorienschein
Das Kind Mariens hehr und rein;
Schlank steht und lieb er vor dem Ritter —
Da springt das Thor, auf geht das Gitter.
Und, wie die Glitte sprießt am Zweig,
Klingt nun des Heilands Wort so weich:
"Schau an, Ich bin's, verzage nicht,
Der Weg, die Wahrheit und das Licht;
Ich bin das Thor, durch das allein
Die Demut zieht zum Himmel ein!
Dir ist's nun offen ohne Gitter,
Dein ist der Gral, o Gottesritter:
Sieh, Brot und Wein ward Fleisch und Glut;
Du gabst, dir wird das höchste Gut.
Nur Liebe kann um Hiebe werben,
Wird Leben finden einst im Sterben!" - Franz Alfred Muth
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Franz Alfred Muth
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