Ritter Launfals Vision - II.Gedicht von Franz Alfred Muth2.
Die Vögel jauchzten auf den Zweigen,
Die Bäume fast sich singend neigen.
Was singt im Vöglein, rauscht im Zweig?
Von heil'ger Minne süßem Reich. —
Voll Lichtgesäusel, schwellend, wonnig
Lag Thal an Thal so grün, so sonnig,
Die Burg, des Ritters Herz allein
Verschmähten Liebessonnenschein.
Wie er so lag, was träumt dem Ritter? —
Die Brücke sank, auf stieg das Gitter,
Und durch den düstren Thorweg sprang
Herrn Launfals Roß, der Panzer klang;
So jung, so stark wie Adlerflügel
Flog er hinab den wald'gen Hügel.
Aufscheut mit einmal Roß und Retter,
Und jedes schaut und mag nicht weiter:
Aussätzig liegt ein Greis am Weg,
Grad' wo der Bach braust unterm Steg,
Der bettelnd stöhnt, die Hand gereckt,
Ob Lieb' die Hand entgegenstreckt.
Unmut des Ritters Herz erfaßt,
Dem Armut, Elend stets verhaßt,
Der stolze Sinn erstarrt zu Eis,
Ihn ekelt an der freche Greis.
Und grollend wirft er hin sein Gold,
Das klirrend hin zum Staube rollt,
Doch liegen läßt es dort der Greis,
Wie Donner ruft er ernst und heiß:
"Viel besser eine Rinde Brot,
Die man in Christi Namen bot,
Als wie des Stolzen rotes Gold,
Das roter Staub zum Staube rollt!
Wer statt aus Liebe beut aus Pflicht,
Dem zählt der Herr die Gabe nicht;
Wie Gott uns spendet, dir wie allen.
So spende, Herr. — so wird's gefallen!" Franz Alfred Muth
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