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Ritter Launfals Vision - I.

Gedicht von Franz Alfred Muth

1.

Wohin der Fuß auch wandern mag,
Es ist ein köstlicher Junitag;
Wohin man späht, wohin man lauscht,
Das lichte Grün entgegenrauscht,
Es bricht die Scholle, es strebt zum Licht,
Die finstere Erde hält es nicht,
Als ob in Kräutern, Blumenaugen
So Wald wie Heide möcht verhauchen.
Blauglöckchen schwankt im leisen Wind,
Goldprimel lächelt, das liebe Kind,
Kein Gras so schwank, kein Halm so klein,
Sie stimmen alle ins Loblied ein.
Und du, o Herz voll Himmelsblau,
Voll Sonnengold und Blumentau,
So überquellend von Liebe und Lust,
Hast du dich je so froh gemußt?
Geschlossenen Auges selbst du weißt,
Wie duftig rings der Windhauch kreist,
Vom Bache klar wie'n Himmelsauge,
Von Brünnlein und vom Blumenhauche.
In solchen Tagen ist leicht die Treue,
Wie Grün dem Grund, dem Himmel Bläue.
An solchem Tag mahnt's an den Eid
Herr Launfal, der sich Gott geweiht. —
Hoch oben wohnt der Ritter stolz,
Grau sah die Burg aus grünem Holz,
Sie ließ allein den Sonnenschein,
Wie rosig er, zum Thor nicht ein.
Und wie die Burg war Launfals Herz,
Wohl treu und fest, doch starr wie Erz,
Wohl ohne Schmerz und voller Kraft,
Doch sonnenlos in Stolzes Haft.
Mannshelme kerbte Launfals Schwert,
Da magdlich er und ehrenwert;
Wie Frauenblick ihm lacht voll Huld,
Nicht sah er's je, er mied die Schuld;
Wie lichte Blumen zarte Hand
Warf vom Balkon, er's nicht verstand;
Der Minne Kuß ihm nie sich bot,
Sein Minnen ging nach Himmelsbrot,
Den heil'gen Gral will er erreiten,
Gen Christi Feinde mö'cht' er streiten,
Als Ritter Gottes leben, sterben,
Des Himmels Wonnen zu erwerben,
Die nie verwehen, nie vergehn, —
So will er stolz den Streit bestehn.
Ein letzter Becher noch, ein Mahl,
So fahr' denn hin zum heil'gen Gral! —
"Bringt goldnen Panzer, scharfen Stahl,
Muß suchen, erstreiten den heil'gen Gral!
Kein Lager sei dem Leib bereitet,
Dem Haupt kein Gissen weich gespreitet,
Auf Binsen bett' ich mich allein,
Bis Gottes Gral, der hehre, mein!
Nur noch ein Schlummer voller Kraft!" —
Herr Launfal lag in Traumes Haft.

Franz Alfred Muth
Aus der Sammlung Legenden

  
  


Franz Alfred Muth   

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