Tejas HeimfahrtSchwerwölkig auf Kampaniens Golf
Lag dumpfdie Nacht und düster,
Und aus den Fluten murmelt es her
Wie klagender Mannen Geflüster,
Und traurig kosend streichelten
Eine Barke die dunkeln Wogen –
Wer kam, die Fackel in der Hand,
Drauf einsam hergezogen?
Das war ein blondes Germanenweib,
Die sprach zu einem Toten:
„Mein königlicher Vater, bald
Sind wir im Lande der Goten!
Nicht wahr ist’s, dass die Gründe einst,
Die heiligen grünen, die Wiesen,
Die Eichenwälder des Heimatlands
Wir Goten je verließen,
Und dass im Süden wir geherrscht
Unter Orangendüften,
Wo gleißnerisch die Sonne lacht
Aus weibisch weichen Lüften,
Nicht wahr, dass ich der Brüder Heer
Am Bergeshang dort drüben
Von Feindeshänden vernichten sah . . .
Bis du selbst tot geblieben –
Die Träume, Vater, sind verweht,
Die schreckenden, die wüsten:
Das Nordmeer ist’s, das um uns spült,
An unsers Nordlands Küsten!“
Ins Segel schleudert die Fackel sie:
„Das Feuer, siehst du’s grüßen?
Der Julbaum unsrer Heimat brennt . . .
Der Heimat, ach, der süßen!“
Weit durch die Nacht stolz leuchtet‘ es hin
Vom Flammenschein, dem roten.
So trug es hinaus ins große Meer
Den letzten König der Goten. Ferdinand Ernst Albert Avenarius
Aus der Sammlung Bilder und Gestalten |