Des treuen Knechts HeimfahrtDa sprach er zu ihnen: Haltet mich nicht
auf, denn der Herr hat Gnade zu meiner
Reise gegeben. Laßt mich, daß ich
zu meinem Herrn ziehe.
Der Herr hat Gnade geben
Zu meiner Pilgerschaft,
Er fristete mein Leben,
Er stärkte meine Kraft;
Der Herr hat Heil verliehen
Zu meinem Botenlauf,
Drum laß mich heimwärts ziehen
Und haltet mich nicht auf.
Ihr habt mich wohl bewirtet,
Und schön ist euer Land.
Doch seht ihr mich gegürtet,
Den Wanderstab zur Hand.
Ihr wollt mich freundlich halten,
Und selber blieb' ich gern,
Doch laßt ihn ziehn, den Alten,
Den Knecht zu seinem Herrn.
Mein Auftrag ist vollendet,
Ich bin zu nichts mehr gut;
Er, der den Knecht gesendet,
Will, daß er Rechnung thut,
Will, daß, was er begonnen,
Er treulich führt hinaus,
Will, daß, was er gewonnen,
Er redlich bringt nach Haus.
Was Guts mir hier beschieden,
Mit Freuden denk' ich dran,
Doch ruh' ich erst im Frieden
Daheim in Kanaan;
Ich lass' euch meinen Segen
Und Gottes Lohn zurück,
Und ihr — auf meinen Wegen
Wünscht mir zur Heimfahrt Glück! Karl Gerok, 1865
Aus der Sammlung Heilige Bilder |