Gedichte: Arnim  Busch  Eichendorff  Goethe  Heine  Heym  Lessing  Morgenstern  Rilke  Ringelnatz 

Gedichte


Gedichte » Dichter () » » » Verwandte Gedichte


GEDICHTE
Neue Gedichte
Selten gelesen
Gedicht finden
Themen & Zeiten
Zufallsgedicht
Dichtergalerie
REDAKTION
Gästebuch
Gedicht des Tages
Veröffentlichen
Häufige Fragen
Kontakt
Impressum /
Datenschutz

WISSEN
Fachtermini

  

Verwandte Gedichte

 Hebbel, Auf das Nibelungenlied 
 Klabund, Die Ballade des Vergessens 
 Grün, Festgruß zum Schützentag in Wien 
 Grün, Nach dem Schützenfeste 

 

Auf das Nibelungenlied

Friedrich Hebbel


Taubstumm scheinst du mir zwar, du redest öfter durch Zeichen
Oder Gebärden, als durch unser geschmeidiges Wort,
Ja, du bedienst dich auch dann noch des schlichtesten, das du nur findest,
Aber ich nenne dich doch unser unsterblichstes Lied.
Kommen werden die Zeiten, wo Asiens grimmige Horden
Uns aufs neue den Kampf bieten am goldenen Horn,
Und, wie die Väter gesiegt, so können die Enkel erliegen,
Denen der gläubige Mut fehlt, wie das riesige Mark.
Dann ergießt sich der Schwarm, geführt von Attilas Schatten,
Über den Stolz der Kultur ohne Erbarmen daher,
Bilder werden zerfetzt, und Statuen werden zerbrochen,
Bücher in Bänden verbrannt oder von Pferden zerstampft.
Selbst die Sprachen zerschellen und schmelzen am Ende zusammen,
Aber, wenn diese geschieht, ist auch die Brücke gebaut,
Die den ersten Mongolen verlockt, sich hinüber zu wagen
In die verschüttete Welt, welche noch stammelt für ihn.
Trifft er unter den Trümmern den Faust dann oder den Tasso,
Wirft er sie lachend zurück in das durchstöberte Grab,
Denn was hätt’ ihm der Doktor im schwarzen Talare zu sagen,
Oder der weiche Poet, welcher den Kränzen erliegt?
Aber die Helden Burgunds versteht er, den grimmigen Hagen
Und das rächende Weib, wenn auch das liebende nicht,
Und so schlagen die Recken, die unsre ältesten Schlachten
Durchgefochten, dereinst auch noch die jüngste für uns.

 Text von Hebbel drucken
 Ähnliche Gedichte entdecken

Die Ballade des Vergessens

(Alfred Henschke) Klabund

In den Lüften schreien die Geier schon,
Lüstern nach neuem Aase.
Es hebt so mancher die Leier schon
Beim freibiergefüllten Glase,
Zu schlagen siegreich den alt bösen Feind,
Tät er den Humpen pressen...
Habt ihr die Tränen, die ihr geweint,
Vergessen, vergessen, vergessen?

Habt ihr vergessen, was man euch tat,
Des Mordes Dengeln und Mähen?
Es läßt sich bei Gott der Geschichte Rad
Beim Teufel nicht rückwärts drehen.
Der Feldherr, der Krieg und Nerven verlor,
Er trägt noch immer die Tressen.
Seine Niederlage erstrahlt in Glor
Und Glanz: Ihr habt sie vergessen.

Vergaßt ihr die gute alte Zeit,
Die schlechteste je im Lande?
Euer Herrscher hieß Narr, seine Tochter Leid,
Die Hofherren Feigheit und Schande.
Er führte euch in den Untergang
Mit heitern Mienen, mit kessen.
Längst habt ihr's bei Wein, Weib und Gesang
Vergessen, vergessen, vergessen.

Wir haben Gott und Vaterland
Mit geifernden Mäulern geschändet,
Wir haben mit unsrer dreckigen Hand
Hemd und Meinung gewendet.
Es galt kein Wort mehr ehrlich und klar,
Nur Lügen unermessen...
Wir hatten die Wahrheit so ganz und gar
Vergessen, vergessen, vergessen.

Millionen krepierten in diesem Krieg.
Den nur ein paar Dutzend gewannen.
Sie schlichen nach ihrem teuflischen Sieg
Mit vollen Säcken von dannen.
Im Hauptquartier bei Wein und Sekt
Tat mancher sein Liebchen pressen.
An der Front lag der Kerl, verlaust und verdreckt
Und vergessen, vergessen, vergessen.

Es blühte noch nach dem Kriege der Mord,
Es war eine Lust, zu knallen.
Es zeigte in diesem traurigen Sport
Sich Deutschland über allen.
Ein jeder Schurke hielt Gericht,
Die Erde mit Blut zu nässen.
Deutschland, du sollst die Ermordeten nicht
Und nicht die Mörder vergessen!

O Mutter, du opferst deinen Sohn
Armeebefehlen und Ordern.
Er wird dich einst an Gottes Thron
Stürmisch zur Rechenschaft fordern.
Dein Sohn, der im Graben, im Grabe schrie
Nach dir, von Würmern zerfressen...
Mutter, Mutter, du solltest es nie
Vergessen, vergessen, vergessen!

Ihr heult von Kriegs- und Friedensschluß – hei:
Der andern – Ihr wollt euch rächen:
Habt ihr den frechen Mut, euch frei
Von Schuld und Sühne zu sprechen?
Sieh deine Fratze im Spiegel hier
Von Haß und Raffgier besessen:
Du hast, war je eine Seele in dir,
Sie vergessen, vergessen, vergessen.

Einst war der Krieg noch ritterlich,
Als Friedrich die Seinen führte,
In der Faust die Fahne – nach Schweden nicht schlich
Und nicht nach Holland 'chapierte.
Einst galt noch im Kampfe Kopf gegen Kopf
Und Mann gegen Mann – indessen
Heut drückt der Chemiker auf den Knopf,
Und der Held ist vergessen, vergessen.

Der neue Krieg kommt anders daher,
Als ihr ihn euch geträumt noch.
Er kommt nicht mit Säbel und Gewehr,
Zu heldischer Geste gebäumt noch:
Er kommt mit Gift und Gasen geballt,
Gebraut in des Teufels Essen.
Ihr werdet, ihr werdet ihn nicht so bald
Vergessen, vergessen, vergessen.

Ihr Trommler, trommelt, Trompeter, blast:
Keine Parteien gibt's mehr, nur noch Leichen!
Berlin, Paris und München vergast,
Darüber die Geier streichen.
Und wer die Lanze zum Himmel streckt,
Sich mit wehenden Winden zu messen –
Der ist in einer Stunde verreckt
Und vergessen, vergessen, vergessen.

Es fiel kein Schuß. Steif sitzen und tot
Kanoniere auf der Lafette.
Es liegen die Weiber im Morgenrot,
Die Kinder krepiert im Bette.
Am Potsdamer Platz Gesang und Applaus:
Freiwillige Bayern und Hessen...
Ein gelber Wind – das Lied ist aus
Und auf ewige Zeiten vergessen.

Ihr kämpft mit Dämonen, die keiner sieht,
Vor Bazillen gelten nicht Helden,
Es wird kein Nibelungenlied
Von eurem Untergang melden.
Zu spät ist's dann, von der Erde zu fliehn
Mit etwa himmlischen Pässen.
Gott hat euch aus seinem Munde gespien
Und vergessen, vergessen, vergessen.

Ihr hetzt zum Krieg, zum frischfröhlichen Krieg,
Und treibt die Toren zu Paaren.
Ihr werdet nur einen einzigen Sieg:
Den Sieg des Todes gewahren.
Die euch gerufen zur Vernunft,
Sie schmachten in den Verlässen:
Christ wird sie bei seiner Wiederkunft
Nicht vergessen, vergessen, ...

 Lesen Sie den gesamten Text (124 Zeilen)
 Ähnliche Gedichte entdecken




(Alfred Henschke) Klabund

(Alfred Henschke) Klabund




Festgruß zum Schützentag in Wien

Anastasius Grün

1868.

»Sie fügten ihre Hände in Eins und gingen dann
In einen weiten Palast, der war gar wohlgethan
Vor dem die Donau unten die Fluth vorüber goß,
Da saßen sie im Freien und hatten Kurzweil groß.«
Nibelungenlied.

Sie hat den Festschmuck angethan, die Kränze grüner Reiser,
Verjüngt vom Lenzhauch neuer Zeit, die alte Stadt der Kaiser;
Von ihrer Mauerkrone wehn die Blumen und die Bänder,
Den Leib umfließt in Faltenpracht das reichste der Gewänder.

Sie schwingt das alte Banner hoch in makelloser Reinheit,
Das alte Schwarz-roth-gold ist's noch, der Hort der Volkeseinheit,
Das rauscht ein froh Willkommen zu den Gästen, die da kommen,
Vieltausendstimmig ruft es nach in Sang und Klang: Willkommen!

Willkommen, Schützenbrüder all aus Süden und aus Norden,
Die Ihr am Rhein, am Neckar wohnt, die an des Ostmeers Borden,
Die Ihr das Tiefland habt durchwallt, die Alpen überklommen,
Ihr Söhne deutscher Gauen all, willkommen, gottwillkommen!

Ob unter Euch viel Meilen weit der Schienenstrang geklungen,
Und über mancher Grenze Pfahl sich Euer Zug geschwungen,
Ihr seid doch in der Heimat noch, im Vaterhaus geblieben,
Wo Einer Mutter Kinder Eins im Hoffen, Dulden, Lieben.

Denn Heimatgrund ist's, drauf Ihr wallt, die Heimateichen hallen
Im Schützenhain vom Nachklang bald, wenn Eure Büchsen knallen;
Deutsch ist der Strom, er brauste schon im Lied der Nibelungen
Und hat des Rothbarts Kreuzheer schon in frommen Traum gesungen.

Zieht durch den Markt, Ihr fühlt Euch noch in Eures Volkes Mitte,
Betretet nur ein Haus, Euch grüßt der eignen Heimat Sitte;
Das Wort, dem unsre Jugend lauscht, ist Eurer Weisen Lehre,
Das Lied, das unser Herz berauscht, ist deutschen Stammes Ehre.

Es grüßt manch Standbild deutschen Sinns Euch rings in Stein und Erzen,
Hier winkt Eugen, das wälsche Blut und deutscheste der Herzen,
Die beiden Karle, dort und hier, die deutsche Schlachten schlugen,
Und Fürsten dieses Lands, die einst die Krone Deutschlands trugen.

Hier Joseph, den kein Herz vergißt, ein Märtyrer und Weiser,
Dort, den ein dunkler Flor umschließt, der Deutschen letzter Kaiser,
Und schon zum Ehrenmale wird das Fundament geschichtet
Dem Sänger, der das Hohelied vom Schützen Tell gedichtet.

Aus theuren Gräbern rauscht empor ein Gruß von deutschen Klängen,
Beethovens, Mozarts, Schuberts Geist ersteht in Zaubersängen,
Zieht durch den Festsaal, durch den Wald, vom Wohllautflug getragen,
Wie durch den Dom, den deutsche Kunst zur Sternenhöh' ließ ragen.

Wenn Heimatklänge traut ans Ohr in Gruß und Sang Euch gleiten,
Ihr fühlt's, wie deutsch dieß Land und Volk, kerndeutsch seit Urweltzeiten,
Deutsch ist sein Blut, deutsch ist sein Herz, und deutsch sein Sinn und Treiben,
Deutsch sind wir noch und wollen deutsch trotz dem und dem auch bleiben!

Frisch braust der Geist, frisch stürzt das Wort, gleich unsern Alpenbächen,
Fromm sind, ja, waren wir noch mehr, Ihr hörtet davon sprechen;
Daß fröhlich wir, wer wüßt' es nicht, manch' Büchlein ließ sich schreiben,
Frei wurden wir und wollen frei trotz dem und dem auch bleiben!

O daß der Freiheit Geist in Eins, was Eins sein will, auch kitte!
Treu hüten wir das Vätergold, die deutsche Art und Sitte;
Das Band, das solch ein Geist uns wand, kein Eisen kann's zerhauen,
Den Pfad, den sich die Liebe bahnt, kein Markstein ihn verbauen.

Zwar fällt ein bittrer Tropfen heut ins Glas, – doch er auch fromme!
Wer dächte nicht: was ist und war, wer sänne nicht: was komme?
Wir tragen's, wie's dem Manne ziemt, erwarten's ohne Klage,
Wir lernten schönen Schützentrost dafür vom Schützentage:

Ein festes Ziel, das unverwandt vor unsern Augen rage,
Gesundes Herz, das voll und stark, nicht ungeduldig, schlage,
Ein scharfer Blick, der kühn und klar in weite Fernen rücke,
Und ruh'ge Hand, die nicht verirrt vom ernsten Tagwerk zücke!

Drauf stoßet an, drauf schlaget ein! es gilt erneutem Bunde;
Der Becherschall wird Glockenhall in solcher Weihestunde,
Wo treue deutsche Männer stehn auf treuer deutscher Erde
Des Einen Hochgedankens voll, dem die Erfüllung werde!

»Wir waren Eins, wir bleiben Eins!« Aus Euren Feuerröhren
Dieß Wort mein' ich im Donnerspruch als Festchoral zu hören;
O laßt sein weckend Echo nach von Herz zu Herzen zittern,
Wie im Gebirg von Berg zu Berg ein läuterndes ...

 Lesen Sie den gesamten Text (86 Zeilen)
 Ähnliche Gedichte entdecken

Nach dem Schützenfeste

Anastasius Grün

. . . . . . »Wißt ihr uns zu sagen,
Wann das Fest beginne? oder zu welchen Tagen
Wir erwartet werden?«
. . . . . . . . . . . .
»Soll ein Ding sich fügen, wer kann ihm widerstehn?«
Nibelungenlied.


Verödet ist der Festplatz längst; kein Fähnlein flaggt im Winde,
Von Ehrenpfort' und Säule sank die grüne Reisigbinde;
Er gleicht der erst so schmucken Maid am Morgen nach dem Tanze,
Mit welcken Locken, schlaffem Kleid, mit Staub auf Band und Kranze.

Verstummt ist Sang und Fidelklang, der Pulverrauch verzogen,
Die er verscheucht, der Vögel Schaar, kommt wieder angeflogen;
Das Rehlein auch lugt schon hervor am Saum der Eichen leise,
Die Krähe thront auf dem Gebälk', im Buschwerk hüpft die Meise.

Verödet ist's, doch einsam nicht; kein lustig Büchsenknallen,
Denn jetzt hanthiert der Werkmann hier und Axt und Hammer schallen;
Sie reißen ein, sie tragen ab, was einst gebaut die Andern,
Die jüngste Schützenstadt muß fort auch mit den Schützen wandern.

Ihr wucht'ger Tritt liegt aufgeprägt zerstampften Rasenfluren;
Wer das Gewirr der Stapfen löst, zu folgen ihren Spuren,
Der sieht im Strahlenkreis sie ziehn in alle deutschen Lande,
Zum Bodensee, zum Alpenjoch, zum Belt, zum Märkersande.

Wie hat noch jüngst der Redner Spruch geflammt hier und gezündet,
Der Kugelflug das rechte Ziel, die grade Bahn verkündet!
Wie hat das Männerlied im Kampf des Einklangs Preis erbeutet,
Der Becherklang mit Glockenton den Morgen eingeläutet!

Und Keiner jüngst von dannen zog, dem nicht ins Herz gesunken,
Was in der Seele haften will, ein Klang, ein Kern, ein Funken;
Er trägt es heim und pflegt noch sein an lieber Heimatstätte,
Im Sennerhaus, im Haidekrug, im Dorf, im Lärm der Städte.

Er senkt das Kernlein in den Grund; es keime, daß sich's mehre
Und einst mit kräft'gem deutschen Brod ihm Kind und Enkel nähre;
Er facht den Funken an zum Licht; sein heller Strahl vereine
Im stillsten Winterstübchen traut die deutsche Hausgemeine.

Er gibt dem Klang das rechte Wort, dran Ohr und Herz sich labe,
Auf Liedesschwingen wächst und reift zum deutschen Mann der Knabe;
»Wir waren Eins, wir bleiben Eins!« Erst singt es Einer leise,
Von Mund zu Mund dann schwillt und braust durchs Volk die stolze Weise.

O hütet jeden Halm, daß ihn kein schlimmer Wurm zerknicke,
Bewacht jed' Fünklein, daß es nie ein böser Hauch ersticke!
Einst kommt der Tag, da wird das Korn in volle Garben schießen
Und die zerstreuten Funken all' in Eine Flamme fließen. – –

Es herbstet schon; ich denke still der nimmer fernen Zeiten,
Da auf das kahle Stoppelfeld die weißen Flocken gleiten;
Die Tage werden trüber stets, die Nächte dunkler, länger,
Der wolkenschwere Himmel schmiegt ans Erdenherz sich enger.

Doch bringt die längste Winternacht die schönste Frühlingskunde,
Denn in so trüber Zeit erwacht die eine heil'ge Stunde! –
Tiefschweigend starrt auf aller Flur die eisig kalte Hülle,
In Finsterniß ruht die Natur und graunhaft eh'rner Stille.

Da plötzlich flammt ein Leuchten auf am Kirchlein dort im Thale,
Es quillt der Kerzen goldner Schein durch Fenster und Portale;
Und Glockenschall ertönt hinaus in mitternächt'ger Stunde,
Der ruft zur Mett' ins Gotteshaus die Gläub'gen in der Runde.

Da taucht's empor aus finstrer Nacht, hier, dort, wie einzle Sterne,
Ein Lichtlein da, ein Lichtlein dort, und Lichter in der Ferne;
Das glimmt vom Berg und flimmt durchs Thal, im Kirchlein sich zu einen,
Bis mit der großen Leuchte schmilzt in Eins das Licht der kleinen. –

So kommt der deutsche Christtag einst, die große Weihestunde,
Da klingt ein heilig Weihnachtlied aus aller Deutschen Munde:
Heil diesem Tag, da alles Korn in Garben aufgeschossen
Und alle Funken in Ein Licht, in Eine Glorie ...

 Lesen Sie den gesamten Text (76 Zeilen)
 Ähnliche Gedichte entdecken

 



















Konzept, Gestaltung und Inhalt © B. Ritter - Die Deutsche Gedichte-Bibliothek