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 Grün, Nach dem Schützenfeste 
 Klabund, Die Ballade des Vergessens 
 Strachwitz, Das Nibelungenlied 
 Strachwitz, Das Nibelungenlied 

 

Nach dem Schützenfeste

Anastasius Grün

. . . . . . »Wißt ihr uns zu sagen,
Wann das Fest beginne? oder zu welchen Tagen
Wir erwartet werden?«
. . . . . . . . . . . .
»Soll ein Ding sich fügen, wer kann ihm widerstehn?«
Nibelungenlied.


Verödet ist der Festplatz längst; kein Fähnlein flaggt im Winde,
Von Ehrenpfort' und Säule sank die grüne Reisigbinde;
Er gleicht der erst so schmucken Maid am Morgen nach dem Tanze,
Mit welcken Locken, schlaffem Kleid, mit Staub auf Band und Kranze.

Verstummt ist Sang und Fidelklang, der Pulverrauch verzogen,
Die er verscheucht, der Vögel Schaar, kommt wieder angeflogen;
Das Rehlein auch lugt schon hervor am Saum der Eichen leise,
Die Krähe thront auf dem Gebälk', im Buschwerk hüpft die Meise.

Verödet ist's, doch einsam nicht; kein lustig Büchsenknallen,
Denn jetzt hanthiert der Werkmann hier und Axt und Hammer schallen;
Sie reißen ein, sie tragen ab, was einst gebaut die Andern,
Die jüngste Schützenstadt muß fort auch mit den Schützen wandern.

Ihr wucht'ger Tritt liegt aufgeprägt zerstampften Rasenfluren;
Wer das Gewirr der Stapfen löst, zu folgen ihren Spuren,
Der sieht im Strahlenkreis sie ziehn in alle deutschen Lande,
Zum Bodensee, zum Alpenjoch, zum Belt, zum Märkersande.

Wie hat noch jüngst der Redner Spruch geflammt hier und gezündet,
Der Kugelflug das rechte Ziel, die grade Bahn verkündet!
Wie hat das Männerlied im Kampf des Einklangs Preis erbeutet,
Der Becherklang mit Glockenton den Morgen eingeläutet!

Und Keiner jüngst von dannen zog, dem nicht ins Herz gesunken,
Was in der Seele haften will, ein Klang, ein Kern, ein Funken;
Er trägt es heim und pflegt noch sein an lieber Heimatstätte,
Im Sennerhaus, im Haidekrug, im Dorf, im Lärm der Städte.

Er senkt das Kernlein in den Grund; es keime, daß sich's mehre
Und einst mit kräft'gem deutschen Brod ihm Kind und Enkel nähre;
Er facht den Funken an zum Licht; sein heller Strahl vereine
Im stillsten Winterstübchen traut die deutsche Hausgemeine.

Er gibt dem Klang das rechte Wort, dran Ohr und Herz sich labe,
Auf Liedesschwingen wächst und reift zum deutschen Mann der Knabe;
»Wir waren Eins, wir bleiben Eins!« Erst singt es Einer leise,
Von Mund zu Mund dann schwillt und braust durchs Volk die stolze Weise.

O hütet jeden Halm, daß ihn kein schlimmer Wurm zerknicke,
Bewacht jed' Fünklein, daß es nie ein böser Hauch ersticke!
Einst kommt der Tag, da wird das Korn in volle Garben schießen
Und die zerstreuten Funken all' in Eine Flamme fließen. – –

Es herbstet schon; ich denke still der nimmer fernen Zeiten,
Da auf das kahle Stoppelfeld die weißen Flocken gleiten;
Die Tage werden trüber stets, die Nächte dunkler, länger,
Der wolkenschwere Himmel schmiegt ans Erdenherz sich enger.

Doch bringt die längste Winternacht die schönste Frühlingskunde,
Denn in so trüber Zeit erwacht die eine heil'ge Stunde! –
Tiefschweigend starrt auf aller Flur die eisig kalte Hülle,
In Finsterniß ruht die Natur und graunhaft eh'rner Stille.

Da plötzlich flammt ein Leuchten auf am Kirchlein dort im Thale,
Es quillt der Kerzen goldner Schein durch Fenster und Portale;
Und Glockenschall ertönt hinaus in mitternächt'ger Stunde,
Der ruft zur Mett' ins Gotteshaus die Gläub'gen in der Runde.

Da taucht's empor aus finstrer Nacht, hier, dort, wie einzle Sterne,
Ein Lichtlein da, ein Lichtlein dort, und Lichter in der Ferne;
Das glimmt vom Berg und flimmt durchs Thal, im Kirchlein sich zu einen,
Bis mit der großen Leuchte schmilzt in Eins das Licht der kleinen. –

So kommt der deutsche Christtag einst, die große Weihestunde,
Da klingt ein heilig Weihnachtlied aus aller Deutschen Munde:
Heil diesem Tag, da alles Korn in Garben aufgeschossen
Und alle Funken in Ein Licht, in Eine Glorie ...

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Die Ballade des Vergessens

(Alfred Henschke) Klabund

In den Lüften schreien die Geier schon,
Lüstern nach neuem Aase.
Es hebt so mancher die Leier schon
Beim freibiergefüllten Glase,
Zu schlagen siegreich den alt bösen Feind,
Tät er den Humpen pressen...
Habt ihr die Tränen, die ihr geweint,
Vergessen, vergessen, vergessen?

Habt ihr vergessen, was man euch tat,
Des Mordes Dengeln und Mähen?
Es läßt sich bei Gott der Geschichte Rad
Beim Teufel nicht rückwärts drehen.
Der Feldherr, der Krieg und Nerven verlor,
Er trägt noch immer die Tressen.
Seine Niederlage erstrahlt in Glor
Und Glanz: Ihr habt sie vergessen.

Vergaßt ihr die gute alte Zeit,
Die schlechteste je im Lande?
Euer Herrscher hieß Narr, seine Tochter Leid,
Die Hofherren Feigheit und Schande.
Er führte euch in den Untergang
Mit heitern Mienen, mit kessen.
Längst habt ihr's bei Wein, Weib und Gesang
Vergessen, vergessen, vergessen.

Wir haben Gott und Vaterland
Mit geifernden Mäulern geschändet,
Wir haben mit unsrer dreckigen Hand
Hemd und Meinung gewendet.
Es galt kein Wort mehr ehrlich und klar,
Nur Lügen unermessen...
Wir hatten die Wahrheit so ganz und gar
Vergessen, vergessen, vergessen.

Millionen krepierten in diesem Krieg.
Den nur ein paar Dutzend gewannen.
Sie schlichen nach ihrem teuflischen Sieg
Mit vollen Säcken von dannen.
Im Hauptquartier bei Wein und Sekt
Tat mancher sein Liebchen pressen.
An der Front lag der Kerl, verlaust und verdreckt
Und vergessen, vergessen, vergessen.

Es blühte noch nach dem Kriege der Mord,
Es war eine Lust, zu knallen.
Es zeigte in diesem traurigen Sport
Sich Deutschland über allen.
Ein jeder Schurke hielt Gericht,
Die Erde mit Blut zu nässen.
Deutschland, du sollst die Ermordeten nicht
Und nicht die Mörder vergessen!

O Mutter, du opferst deinen Sohn
Armeebefehlen und Ordern.
Er wird dich einst an Gottes Thron
Stürmisch zur Rechenschaft fordern.
Dein Sohn, der im Graben, im Grabe schrie
Nach dir, von Würmern zerfressen...
Mutter, Mutter, du solltest es nie
Vergessen, vergessen, vergessen!

Ihr heult von Kriegs- und Friedensschluß – hei:
Der andern – Ihr wollt euch rächen:
Habt ihr den frechen Mut, euch frei
Von Schuld und Sühne zu sprechen?
Sieh deine Fratze im Spiegel hier
Von Haß und Raffgier besessen:
Du hast, war je eine Seele in dir,
Sie vergessen, vergessen, vergessen.

Einst war der Krieg noch ritterlich,
Als Friedrich die Seinen führte,
In der Faust die Fahne – nach Schweden nicht schlich
Und nicht nach Holland 'chapierte.
Einst galt noch im Kampfe Kopf gegen Kopf
Und Mann gegen Mann – indessen
Heut drückt der Chemiker auf den Knopf,
Und der Held ist vergessen, vergessen.

Der neue Krieg kommt anders daher,
Als ihr ihn euch geträumt noch.
Er kommt nicht mit Säbel und Gewehr,
Zu heldischer Geste gebäumt noch:
Er kommt mit Gift und Gasen geballt,
Gebraut in des Teufels Essen.
Ihr werdet, ihr werdet ihn nicht so bald
Vergessen, vergessen, vergessen.

Ihr Trommler, trommelt, Trompeter, blast:
Keine Parteien gibt's mehr, nur noch Leichen!
Berlin, Paris und München vergast,
Darüber die Geier streichen.
Und wer die Lanze zum Himmel streckt,
Sich mit wehenden Winden zu messen –
Der ist in einer Stunde verreckt
Und vergessen, vergessen, vergessen.

Es fiel kein Schuß. Steif sitzen und tot
Kanoniere auf der Lafette.
Es liegen die Weiber im Morgenrot,
Die Kinder krepiert im Bette.
Am Potsdamer Platz Gesang und Applaus:
Freiwillige Bayern und Hessen...
Ein gelber Wind – das Lied ist aus
Und auf ewige Zeiten vergessen.

Ihr kämpft mit Dämonen, die keiner sieht,
Vor Bazillen gelten nicht Helden,
Es wird kein Nibelungenlied
Von eurem Untergang melden.
Zu spät ist's dann, von der Erde zu fliehn
Mit etwa himmlischen Pässen.
Gott hat euch aus seinem Munde gespien
Und vergessen, vergessen, vergessen.

Ihr hetzt zum Krieg, zum frischfröhlichen Krieg,
Und treibt die Toren zu Paaren.
Ihr werdet nur einen einzigen Sieg:
Den Sieg des Todes gewahren.
Die euch gerufen zur Vernunft,
Sie schmachten in den Verlässen:
Christ wird sie bei seiner Wiederkunft
Nicht vergessen, vergessen, ...

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(Alfred Henschke) Klabund

(Alfred Henschke) Klabund




Das Nibelungenlied

Moritz Graf von Strachwitz


Das deutsche Lied, in dunkle Nacht verschlagen,
Hat lang geschlummert, bis sein Strahl erwacht,
Bis mit des Geistes göttlich hoher Macht
Ein blühend Kind es an das Licht getragen.

Das war die Mär von alten Heldensagen,
Die hat’s zur Götterflamme angefacht,
Bis es erblüht’ in unerreichter Pracht
Und flog empor auf goldnem Sonnenwagen.

»Da zog einher mein mächtig Kampfestönen
Durchs deutsche Land, von heil’ger Kraft erfüllt,
Obgleich kein Meißel glättend mich gefeilt,

Und immer tön’ ich noch der Dichtkunst Söhnen,
Das erste Kind, das deutscher Sang belebt,
Das zu der Sonne stolz voran geeilt.«

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Moritz Graf von Strachwitz


Das deutsche Lied in dunkle Nacht verschlagen
Hat lang geschlummert, bis sein Strahl erwacht,
Bis mit des Geistes göttlich hoher Macht
Ein blühend Kind es an das Licht getragen.

Das war die Mär' von alten Heldensagen,
Die hat's zur Götterflamme angefacht,
Bis es erblüht' in unerreichte Pracht
Und flog empor auf goldnem Sonnenwagen.

»Da zog einher mein mächtig Kampfestönen
Durchs deutsche Land von heil'ger Kraft erfüllt,
Obgleich kein Meißel glättend mich gefeilt,

Und immer tön' ich noch der Dichtkunst Söhnen,
Das erste Kind, das deutscher Sang belebt,
Das zu der Sonne stolz vorangeeilt.«

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Moritz Graf von Strachwitz

Moritz Graf von Strachwitz

 



















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