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Mondlicht

Wie ein blasses Phantom mit einer Laterne
Eines Geisterhauses Stufen erklimmt,
So der Mond durch feuchte und ferne,
Geheime Kammern in den Lüften schwimmt.

Bald in Wolken versteckt, bald erspäht,
Wie ein Phantom, das weint,
Das hinter bröckelnden Mauern geht
Und plötzlich am Fenster erscheint.

Bis endlich, stolz und gelassen,
In glänzenden Lichtes Pracht,
Er auf der Wolke Terrassen
Als nächtlicher Kaiser wacht.

Ich schaue, doch erkenn' ich nicht mehr
Die vertrauten Dinge vom Tage.
Es ist, als ob ich zu meiner Tür
Eine verzauberte Allee nun habe!

Alles ist neu, der Schatten Fassade
Hüllt die Ulmen in schwarzes Matt.
Durch Schloß und Park und Kolonnade
Geh' ich durch eine fremde Stadt.

Den Boden unter meinen Füßen ziert,
Wie ausgekleidet, ein göttlicher Atem.
Weißer Marmor stille Wege gefriert,
Und strahlt in den leeren Garten.

Täuschung! Unter all' dem liegt das Leben
Des Alltags einstweilen nur begraben;
Nur die Kraft des Geistes kann heben
Des Alltags Grau in bunte Farben.

Vergeblich richten die Blinden
Den Blick himmelwärts.
Nur mit Begabung wir finden
Zu Fantasie und Herz.


© C.R., aus dem Englischen:

Moonlight

As a pale phantom with a lamp
Ascends some ruined haunted stair,
So glides the moon along the damp
Mysterious chambers of the air.

Now hidden in cloud, and now revealed,
As if this phantom, full of pain,
Were by the crumbling walls concealed,
And at the windows seen again.

Until at last, serene and proud
In all the splendour of her light,
She walks the terraces of cloud,
Supreme as Empress of the Night.

I look, but recognize no more
Objects familiar to my view;
The very pathway to my door
Is an enchanted avenue.

All things are changed. One mass of shade,
The elm-trees drop their curtains down;
By palace, park, and colonnade
I walk as in a foreign town.

The very ground beneath my feet
Is clothed with a diviner air;
White marble paves the silent street
And glimmers in the empty square.

Illusion! Underneath there lies
The common life of everyday;
Only the spirit glorifies
With its own tints the sober grey.

In vain we look, in vain uplift
Our eyes to heaven, if we are blind;
We see but what we have the gift
Of seeing; what we bring we find.

Henry Wadsworth Longfellow

  
  


Henry Wadsworth Longfellow   

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