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Die Deutsche Gedichte-Bibliothek: Fachbegriffe der Dichtung

Der Vers (Grundbegriffe)


Alexandriner. 6-hebiger Jambus mit Zäsur nach der 3. Hebung.
Alternierendes Versmaß. Regelmäßiger Wechsel von Hebung und Senkung im Vers.
Anapäst. Übers Jahr, übers Jahre, wenn der Frühling...
Auftakt. Beginn eines Verses mit einer unregelmäßigen Senkung.
Ballade. Ursprünglich Tanzlied mit Refrain. Vereint als Erzähllied die drei Grundarten der Poesie (epische Erzählweise, dramatische Gestaltung, lyrische Formulierung). Volksballade, Götter- und Heldenballade, numinose Ballade.
Blankvers. 5-hebiges, jambisches, ungereimtes Versmaß. Der Not gehorchend, nicht dem eignen Triebe.
Chevy-Chase-Strophe. 4-Zeiler. Abwechselnd 4- und 3-hebige, stumpfe Verse mit Kreuzreim.4, st, a / 3, st, b / 4, st, a / 3, st, b
Daktylus. Hab ich den Markt und die Straße doch...
Ding-Gedicht. Poetische Darstellung eines Objekts (Kunstwerk, alltäglicher Gegenstand, Tier, Pflanze), wobei das lyrische Ich zurücktritt zu Gunsten distanziert-objektivierender Einfühlung. Objekt wird in seinem Wesen erfasst und zugleich symbolisch gedeutet.
Distichon. Ein Hexameter und ein Pentameter.
Endecasillabo. 5-hebiger Jambus, gereimt, ohne Zäsur.
Enjambement. Zeilensprung. Fortführung der syntaktischen Einheit über die metrische Grenze am Vers- oder Strophen-Ende hinweg.
Epigramm. Nichtfiktionaler Verstext mit 2-8 Versen (oft elegisches Distichon). Meist mit Überschrift, konziser Stil, sprachliche und / oder sachliche Pointe.
Erlebnis-Lyrik. Gestaltet v.a. persönlich-subjektive (reale, irreale, traumhafte) Erlebnisse eines Autors, sei es indirekt in einer das Erlebnis verarbeitenden Dichtung oder in scheinbar unmittelbar bekennender, direkter Gefühlsaussprache. Wertkategorie sind künstlerische Objektivierung und symbolische Verdichtung.
Freie Rhythmen. Gedichte ohne Reimbindung und strophische Ordnung, kein durchgehendes Versmaß aber Verwendung klassisch verbürgter, aber frei behandelter, Versmaße.
Freie Verse. Gedichte ohne Reimbindung, strophische Ordnung und durchgehendes Versmaß.
Gedanken-Lyrik. Auch Ideenlyrik. Vorwiegend reflektierende Lyrik, die im Unterschied zur Erlebnis- und Stimmungslyrik gedankliche, vielfach weltanschauliche Zusammenhänge gestaltet. In der Lyrik der Gegenwart nimmt der Anteil der Reflexion zu.
Gelegenheits-Dichtung. Literarische Werke, die zu bestimmten öffentlichen oder privaten Anlässen verfasst wurden.
Hexameter. 6-hebiger Vers. Beginnt meist mit betonter Silbe, die ersten 4 Versfüße sind meist Daktylen (oder Trochäen). Der 5. Versfuß ist immer ein Daktylus, der 6. ein Trochäus. Endet meist betont.
Hymne. Aus dem liturgischen Bereich. In Neuzeit erscheint sie als reine literarische Gattung mit Bezug zu Psalmen, Preis Gottes, Helden, Tugenden. Grenzen zur Ode oft nicht ganz eindeutig.
Jambus. Befiehl du deine Wege.
Kadenz. Gestalt des Versendes
Klingende Kadenz. letzte Silbe unbetont. Die trabenden Pferde.
Knittelvers. Wichtigstes Versmaß der epischen und dramatischen Dichtung des 16. Jahrhunderts. 4-hebiger Vers (oft jambisch), Paarreime.
Lyrisches Ich. Ich-Sprecher eines lyrischen Gedichts, der nicht mit dem Autor-Ich (= Verfasser) oder dem Ich eines Rollengedichts gleichgesetzt werden kann. Durch ästhetische Objektivierung und symbolische Verdichtung über Persönlichkeit enthoben.
Ode. In der griechischen Antike strophische Dichtung mit Musikbegleitung. Triadische Form: Ode, Antode (Antistrophe), Epode (Abgesang). Meist als Monodie (Einzelgesang). Im Deutschen nicht formal bestimmt, sondern Art des Vortrags, pathetischer Stil, bestimmte Thematik.
Pentameter. 6-hebiger Vers. Besteht aus 6 Daktylen. Der 1. Und 2. Versfuß können auch Trochäen sein. Die 3. Und 4. Hebung folgen unmittelbar aufeinander Þ Zäsur. 4. Und 5. Versfuß stets dreisilbig.
Refrain. Annähernde Wortübereinstimmung von Versen in allen analogen Positionen strophischer Gedichte.
Rhythmus. Zusammenwirken von metrischem Schema und sprachlicher Verwirklichung eines Verstextes.
Rollen-Gedicht. Sammelbezeichnung für lyrische Gedichte, in denen der Dichter eigene oder nachempfundene Gefühle, Gedanken, Erlebnisse oder Reflexionen einer Figur, meist einem für seine Zeit kennzeichnenden Typus, in Ich-Form in den Mund legt.
Sextine. 6-zeilige Strophe.
Sonett. 14-Zeiler. In der Regel zwei Quartette und zwei Terzette. Meist Alexandriner mit Reimschema a / b / b / a; a / b / b / a; c / d / c; c / d / c
Stanze. 8-Zeiler, 5-hebiger alternierender Vers in der Reimordnung a / b / a / b / a / b / c / c.
Stumpfe. Kadenz: letzte Silbe betont. Eene meene muh.
Terzinen. 3-zeilige Strophe, oft Blankvers mit klingender Kadenz. a / b / a; b / c / b; c / d / c; ...
Tonbeugung. Durchbrechung des akzentuierenden Versprinzips. Widerstreit zwischen der vom metrischen Schema geforderten Akzentuierung und der natürlichen Sprachbetonung.
Trochäus. Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo
Vagantenstrophe. 4, st, a / 3, kl, b / 4, st, a / 3, kl, b
Vers commun. 5-hebiger Jambus mit Zäsur nach der 2. Hebung
Versfuß. Wiederkehrendes Element eines Versmaßes. Bezeichnet in der deutschen Dichtung eine spezifische Kombination betonter und unbetonter Silben
Versmaß. Metrisches Muster, das sich einer Verszeile unterlegen lässt. Anzahl der Hebungen, welcher Versfuß, Reime.
Volkslied-Strophe. 4-Zeiler, 3-hebige Verse, Senkungsfreiheit, Kreuzreim, wechselnde Kadenz.
Zäsur. Metrisch oder inhaltlich geregelter Bruch.

Typen von Reimen.


Assonanz. Teilweiser Reim, bei dem nur die Vokale mindestens ab der letzten betonten Silbe übereinstimmen. Beispiel: eichen / ausgeweidet
Binnenreim. Endreim bei dem ein oder mehr Reimglieder im Vers-Inneren stehen. Beispiel: Als ob es tausend Stäbe gäbe
Eingangsreim. Endreim bei dem ein oder mehr Reimglieder am Eingang der Verszeile stehen. Beispiel: Krieg... /Sieg...
Endreim. Übereinstimmung des Phonetik wenigstens zweier Worte. Und: mindestens ab dem letzten betonten Vokal.
Haufenreim. a / a / a / ... / a
Kettenreim. a / b / a; b / c / b; c / d / c
Kreuzreim. a / b / a / b
Paarreim. a / a; b / b
Reiner Reim. Vollständige Übereinstimmung. Beispiel: Gott - Fagott
Schweifreim. a / a / b; c / c / b; d / d / b
Umfassender Reim. a / b / b / a
Unreiner Reim. Leicht geminderte Übereinstimmung. Beispiel: kälter - Wälder
Verschränkter Reim. a / b / c; a / b / c
Waise. Reimloser Vers im Reimgedicht.

Syntax-Typen


Allegorie. Veranschaulichung eines Begriffs durch ein rational fassbares Bild (Justicia als blinde Frau / Staat als Schiff). Veranschaulichung eines abstrakten Vorstellungskomplexes oder Begriffsfeldes durch eine Bild- oder Handlungsfolge (Kampf zwischen tierischen und menschlichen Gestalten als Widerstreit zwischen Lastern und Tugenden). Im Gegensatz zur Metapher ist die Beziehung zwischen Bild und Bedeutung willkürlich gewählt, verlangt daher nach rationaler Erklärung. Gewollte, intendierte Anregung zur Reflexion.
Alliteration. Übereinstimmung im Anlaut verbundener und/oder benachbarter Wörter.
Anapher. Übereinstimmung von einem oder mehreren Wörtern an den Anfängen mindestens zweier (Teil)sätze.
Anspielung. Aktivierung von gemeinsamen Hintergrundwissen durch variierendes Zitieren bekannter Ausdrücke oder literarischer Formulierungen.
Antithese. Aufeinanderprall gegensätzlicher Begriffe, in einem Satz oder einer Satzfolge. Beispiel: Krieg und Frieden.
Aposiopese. Abbruch der Rede unmittelbar vor der wesentlichen Aussage. Beispiel: Euch werd ich!
Apostrophe. Hinwendung des Dichters zum Publikum oder anderen, oft abwesenden Personen, Dingen (Waffen) oder Abstrakta (Welt). Auch Anrufung der Götter, Musen, o.ä.
Archaismus. Ausdruck, der nicht mehr zum aktiven Wortschatz gehört.
Asyndeton. Reihung von drei oder mehr syntaktisch gleichartigen Elementen ohne koordinierende Konjunktion. Beispiel: Sie fährt Autor, Rad und Bahn.
Autonomasie. Wechselseitige Ersetzung von Namen und Begriffen. Umschreibung eines Eigennamens durch besondere Merkmale (der Korse = Napoleon) oder Umschreibungen eines Merkmals durch den Eigennamen eines seiner typischen Vertreter (Judas für Verräter).
Chiasmus. Überkreuzte Anordnung von semantisch korrespondierenden Wortpaaren zweier aufeinander bezogener (Teil)sätze.
Ellipse. Auslassung von Satzgliedern, die es zum Verständnis nicht notwendigerweise braucht. Warum so schnell?
Epitheton Ornans. Schmückendes Beiwort. Der liebe Gott.
Euphemismus. Beschönigender Ausdruck. Beispiel: Sozialverträgliches Frühableben - Euthanasie (Im Gegensatz zum herabsetzenden Ausdruck (Pejorativ).
Exclamatio. Emphatischer Ausruf. O holder Mai!
Geminatio. Wiederholung. Beispiel: Kommt zu mir, zu mir.
Genus humile. Niedrige Stilebene, gekennzeichnet durch alltagssprachliche Lexik, sowie durch das Fehlen von Formen der tropischen Substitution. Schlichtheit, Sprachrichtigkeit und Klarheit (nicht vulgärer Stil).
Genus medium. Mittlere Stilebene, gekennzeichnet durch ausgiebige Verwendung von Formen der tropischen Substitution, Appell-, Wiederholungs- und Kontrastfiguren. Uneigentlichkeit bis geblümter Stil.
Genus mixtum. Demonstrative Mischung von hoher und niedriger, bzw. mittlerer Stilebene in einem Text.
Genus sublime. Hohe Stilebene, Realisierung solcher Stilelemente, die zusammen einen feierlich erhabenen oder auch Pathos und Leidenschaft vermittelnden Stil ergeben. Erlesene Wortwahl, strenge bis archaische Syntax, karge oder allenfalls religiös besetzte Metaphorik.
Hendiadyoin. Wiedergabe eines Begriffs durch zwei via "und" verbundene bedeutungsgleiche Wörter. immer und ewig
Hyperbaton. Die Trennung von syntaktisch eng zusammengehörigen Satzgliedern oder Gliedsätzen durch das Einschieben von Satzteilen. Beispiel: O lass nimmer von nun an mich allein!
Hyperbel. Extreme, unglaubwürdige Übertreibung.
Hyperoche. Hervorhebung der Einmaligkeit oder Unvergleichbarkeit einer Sache oder Person durch superlative Steigerung. Die stillste aller stillen Stunden.
Hypotaxe. Häufung von Satzverknüpfungen durch Unterordnung. Vor allem durch die mehrfache Einbettung von Gliedsätzen.
Hysteron Proteron. Verkehrung sachlich korrekter Folge aufeinanderfolgender Aussagen. Beispiel: Ich wurde geboren und gezeugt in der Gosse.
Inversion. Umordnung der üblichen Satzstellung, etwa Umkehrung der Subjekt-Prädikat-Folge etc.
Katachrese. Verbindung von metaphorischen Ausdrücken aus unvereinbaren Bildbereichen mit dem Ziel der Komik.
Klimax. Anordnung einer drei- oder mehrteiligen Wort- bzw. Satzreihe nach stufenweiser Steigerung des Aussageinhalts. Beispiel: Das an saubere Linien, Führung und Führer gewöhnte Volk.
Kontamination. Komposition aus zwei oder mehr sich morphologisch überlappenden Wörtern (Apokalyptusbonbon)
Metapher. Ersetzung eines eigentlichen Ausdrucks durch einen uneigentlichen.
Metonymie. Ersetzung des eigentlich gemeinten Ausdrucks durch einen, der in einer realen Beziehung zu ihm steht (Erzeuger für Erzeugnis: vom Bauern leben / Erfinder für Erfindung: Porsche fahren / Autor für Werk: Hoffmannn lesen / Gefäß für Inhalt: ein Glas trinken / ... )
Neologismus. Sprachliche Neubildung
Oxymoron. Verbindung zweier sich ausschließender Begriffe. Tödliches Leben - lauthals schweigen.
Paradoxon. Logischer Widerspruch, erzielt durch das Herstellen eines polaren oder kontradiktorischen Gegensatzes zwischen zwei Satzteilen. Der Tod ist das wahre Leben.
Parallelismus. Anordnung von korrespondierendem Wortmaterial auf der Ebene der Satzfolge, des Satzes oder Teilsatzes.
Parataxe. Häufung von Parataxen, das heißt eines nebengeordneten Satzbaus, der zwei oder mehr Sätze oder Teilsätze miteinander verknüpft.
Paronomasie. Teilweise morphologische Übereinstimmung von zwei oder mehr Wörtern bei gleichzeitiger semantischer Differenz. Beispiel: Er ist gunst- und kunstbeflissen.
Periphrase. Drumherumreden. Das Geheimnis der Liebeserfüllung - Geschlechtsverkehr
Personifikation. Spezialfall der Anthropomorphisierung. Punktuelle Darstellung abstrakter Begriffe (Welt, Liebe), Kollektiva (Städte), Naturerscheinungen oder Ereignissen (Regen, Neujahr) als menschliche Gestalten. Die Revolution frisst ihre Kinder.
Pleonasmus. Redundanter Wortzusatz "weglöschen"
Pointe. "Semantische Kippfigur", die eine zuvor herbeigeführte Erwartung beim Leser schlagartig enttäuscht. Beispiel: Alle Menschen sind gleich - mir jedenfalls.
Polysyndeton. Reihung von drei oder mehr syntaktisch parallelen, durch gleichlautende Konjunktionen miteinander verbundene Elementen. Beispiel: Es leuchtet, lodert, flammt und heizt.
Reimformel. Wendung aus zwei durch Konjunktion koordinierten Wörtern, die durch Endreim oder durch Alliteration partiell übereinstimmen. Beispiel: Du bist, was Du ißt!
Symbol. Real vorhandenes Sinnbild für einen gemeinten Bereich, das in einem naturhaften oder kulturell vermittelten Verweisungsverhältnis zum Gemeinten steht. Verweist auf höhere Zusammenhänge, wendet sich an Sinn und Gefühl, kann sich mit der Zeit wandeln (Justicia als Allegorie Þ Waage als Symbol der Gerechtigkeit / Friedenstaube).
Synästhesie. Vermischung von Reizen unterschiedlicher Sinneswahrnehmung. duftige Farben; den Tod kosten
Synekdoche. Ersetzung des eigentlichen Begriffs durch einen zu seinem Bedeutungsfeld gehörenden engeren oder weiteren Begriff Þ pars pro toto - Dach für Haus oder totum pro parte - ein Haus führen.
Vergleich. Syntaktische Verbindung einer eigentlichen Prädikation mit einer zweiten nach dem Muster "x ist (so p) wie y". Eine Frau ohne Mann ist (so komplett) wie ein Fisch ohne Fahrrad.
Zeugma. Zuordnung von Satzgliedern zu zwei syntaktisch (Peter kotzte ins Klo und Petra ins Becken.) oder auch semantisch (Michael spazierte in die Grube dort zu tief.) inkongruenten Satzteilen.

 


















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