PilgerglückWie hat der Fremdling mit kühner Hand
So traut mich gleich umfangen!
Wie ist des dunkeln Auges Brand
Hinab mir in's Herz gegangen!
"O sage, wohin, du lieber Mann, .
Mein Herz vor dir ich verbergen kann,
Verbergen die glühenden Wangen?"
"Komm," sprach er, "lachendes Aug' voll Scherz,
Mit dem frischen, mailichen Munde,
Du sollst mir kühlen mein heißes Herz
Und der Sehnsucht brennende Wunde;
Ich komme daher, ich geh' dahin,
Und bitte dem Herz im Vorüberziehn
Um eine selige Stunde."
"Ach, daß der schöne Flehende wüßt'
Mein treu und liebend Erbarmen!" —
Da hab' ich umhalset und hab' geküßt
Den Ruh'nden in meinen Armen.
"Du treues," sprach er, "du frommes Blut,
Wie wohl die schmachtende Seele ruht
An der Liebe erstem Erwarmen!
"Du frommes Herz und du liebe Hand,
Möcht' einst wohl wieder dich sehen!" —
Dann zog er dahin in's welsche Land;
Ich durfte nicht mit ihm gehen.
Und die Sonne erlosch, und den öden Tag
Mein Herz, das tränke, nicht sehen mag,
Dem's, ach, um die Liebe geschehen.
Und drüben im schönen welschen Land
Ihn glühende Frau'n umschweben —
Und daheim sich mühet um meine Hand
Manch' junges wackeres Leben. —
Und gab' ihn nimmer die welsche Flur,
Man Lieben ist sein, und mein Herz ist nur
Dem Einen, dem Einen ergeben! Johann Georg Fischer |