Der RitterAn Hans Thoma.
Lag im Freien heut irgendwo,
War so recht meines Lebens froh;
Lag ausgestreckt im hohen Gras,
Dachte an dies, dachte an das,
Sah zu, wie die Käfer im Sande liefen,
Und die Halme im heißen Mittag schliefen,
Wie der Staub sich über dem Wege ballte
Und über das blanke Blattwerk wallte,
Wie der Quell die verliebten Blumen bespritzte
Und die heiße Sonne darüber blitzte,
— Eine Lerche fuhr jubelnd himmelan,
Ich lag und sann und lag und sann...
Der Fink im Busch sang noch ebenso schrill:
Er flattert ängstlich... Es wird ganz still...
In die Wolke verkriecht sich der Sonnenstrahl,
Dumpf schlittert die Erde auf einmal.
Da horch: Trapp, trapp, den Weg entlang,
Mit Hellem Hufschlag, schwerem Gang,
Auf dickem Rösslein lobesan
Reitet einher ein Rittersmann;
Ein ganzer schnürt die mächtigen Glieder,
Im Sattel hebt er sich auf und nieder,
Von Kopf bis Fuß zur Schlacht bewehrt,
Laut klirrt im Gehenke das breite Schwert,
Mit eisernen Schienen, geschlossnem Visier,
Fertig zum Kampfe Reiter und Tier,
Und rüstig fort über Brücke und Steg
Als kennten beide schon lange den Weg,
So zieht er vorüber, trapp trapp, trapp trapp,
So zieht er vorüber die Straße hinab..
...Schildgeklirr! Fanfarenbläser!
Schlachtgebrüll und Mittagsglut!
Durch verstaubte Heidegräser
Sickert rot das Edelblut.
Donnernd dampft und kracht die Erde
Und der Schrei der Feinde gellt!
Sieh! auf schweißbedecktem Pferde
Rast’der Retter durch das Feld.
Sieh! nun steht er in den Bügeln!
Sieh! sein Schwert es blitzt und kracht!
Und noch einmal an den Hügeln
Wiederhallt der Lärm der Schlacht.
Siegerjubel, Todesklagen!
Rot versinkt der Sonnenball.
Jauchzende Walküren tragen
Ihren Helden nach Walhall!
...Ich richte mich auf. Der Spuk ist verschwunden.
Still plätschert der Quell wie seit langen Stunden,
Das Land liegt still, die Halme wehn,
Alles, als wäre nichts geschehn.
Unschuldig schaut im Sonnenschein
Die breite einsame Straße darein.
In der Sonne dörrt das blühende Kraut,
Meilen und Meilen weit kein Laut.
Und der Staub, der den Heideblumen entquoll,
Flimmert im Licht geheimnisvoll... Carl Bulcke
Aus der Sammlung Es lebe die Kunst! |