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Verwandte Gedichte

 Lenau, Sehnsucht nach Vergessen 
 Friederike Brun, Der beßre Lethe 
 Vandersee, Lethe. 
 Ernst Goll, Sehnsuchtsland 

 

Sehnsucht nach Vergessen

Nikolaus Lenau


Lethe! brich die Fesseln des Ufers, gieße
Aus der Schattenwelt mir herüber deine
Welle, daß den Wunden der bangen Seel ich
Trinke Genesung.

Frühling kommt mit Duft und Gesang und Liebe,
Will wie sonst mir sinken ans Herz; doch schlägt ihm
Nicht das Herz entgegen wie sonst. – O Lethe!
Sende die Welle!

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Der beßre Lethe

Friederike Brun


Leis' umschweben,
Hell umbeben
Uns des Abends Rosengluthen;
Still entwanken
Die Gedanken
Diesen leichtgefurchten Fluthen!

Grüne Hügel
Stehn im Spiegel
Des Gewässers eingetauchet,
Dunkle Haine
Sind vom Scheine
Goldner Wolken angehauchet.

Kleiner Nachen,
Hilf die wachen
Träume unsrer Seelen bilden!
Schon entschweben
Wir dem Leben
Zu Elysischen Gefilden!

Auf den Lethe
Blickt die Röthe
Keines Sommerabends nieder!
Uns entquelle
Deiner Welle
Der Erinnrung Schwangefieder!

Nicht vergessen,
Nur ermessen
Wollen wir der Vorzeit Stunden!
Auf! und Kränze
Aus dem Lenze
Froher Jugend still gewunden!

Auch nicht Schmerzen
Zarter Herzen
Werden in die Fluth versenket -
Sanft erfrische
Das Gemische,
Thräne, die des Freunds gedenket.

Tief hinunter
Sink', o bunter
Tand des öden Weltgewühles!
Sorg' und Kummer
Wieg' in Schlummer
Das Geträum des Kinderspieles!

So entschweben
Wir dem Leben
Hin in des Vergangnen Haine!
Nichts verlohren!
Neugebohren
Steigt der Tag aus Dämmrungsscheine!

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Friederike  Brun

Friederike Brun




Lethe.

Leon Vandersee


Ein Ballhaus – die Lichter flirren,
wiegende Weisen erklingen –
horch, wie die Flöten girren,
wie die Geigen jauchzen und singen!

Über weißmarmorne Treppen
mit zierlichem bronznen Geländer
rieseln die breiten Schleppen
schillernder Prachtgewänder . . .

Im Tanzsaal ein Wogen und Rauschen,
ein Flimmern von Gold und Geschmeide,
ein lächelndes Blicketauschen –
Geraschel von Chiffon und Seide.

Zartrosig aus duftigen Spitzen
blühn glänzende Schultern und Arme,
schöne Augen sprühen und blitzen
voll Geist und bestrickender Charme.

Was blickst du so seltsam versonnen
In das strahlende Glühlichtgefunkel?
Träumst du von heimlichen Wonnen,
von brennenden Küssen – im Dunkel?. . .

Komm, laß dich im Tschardasch umschlingen,
stürz’ dich mit mir ins Getriebe,
horch, wie die Geigen singen –
das wilde Lied der Liebe. . .

Fremdartige Blumen blühen,
die Becher der Freude blinken,
deine schwellenden Lippen glühen –
komm, laß uns Lethe trinken. . .

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Leon Vandersee

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Sehnsuchtsland

Ernst Goll


Ich hebe mit taumliger Hand
Den Kelch und bete:
Gib mir das Sehnsuchtsland
Oder erlöschende Lethe,
Du reiner, du goldener Wein!
Nur zwischen beiden
Lass mich nicht müde sein
Und mich bescheiden!

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