Der letzte RitterWacht auf, ihr edlen Ahnen!
Macht auf die düstre Gruft;
Es ist der letzte Sprosse,
Der Euch um Einlaß ruft,
Es steht in Euren Reihen
Ein Sarg noch ungefüllt,
Im alten Rittersaale
Fehlt noch das letzte Bild.
Als Bild hab ich gehangen
Mein Schild und auch mein Schwert,
Daß ich den Sarg ausfülle
Das sei mir unverwehrt.
Es ist des Namens würdig
Der letzt gefallne Zweig,
Er trug viel edle Früchte,
An Kraft den euren gleich.
Es lag in schweren Kampfe
die alte und neue Zeit,
Die Mutter in der Rüstung
Das Kind in schmuckem Kleid.
Das Kind das ist entartet:
Nichts von der alten Treu
Vom alten Recht und Glauben
Es schaffte alles neu.
Die Mutter stand verlassen
Die einst so mächtig war.
Wie war der Kampf so feurig
Und klein der Treuen Schar.
Wir traten in die Schranken
Auf ihren Schlachtenruf,
Wir standen fest im Kampfe
Der uns Vernichtung schuf.
Auf einer Brust die Wunde
Die gab nur Heldentod,
Am Himmel ist erloschen
Das letzte Abendrot.
Vorbei die alten Tage
Mit ihrem Sieg und Ruhm,
Vorbei mit seinen Blüten,
Das edle Rittertum.
Hab in den Saal gehangen
Mein Schwert und meinen Schild,
Das sei den Siegern oben
versunkner Macht ein Bild;
Bis daß es wird verschüttet
Vom stolzen Baues Fall,
Und lange wird‘s nicht währen,
Es trauern die Burgen all.
Ich aber will mich legen
Zur Ruh an eure Seit´!
Bis uns der Ruf erwecket
Zu neuem Kampf und Streit;
Dann schwingen wir das Banner,
Dann ziehen wir aus bewehrt,
Und Heil den fernen Enkeln
Wenn die der Kämpfer wert.
Dann geben wir rost‘gen Klingen
Wir wieder neuen Schein
Dann waschen wir von Flecken
Das Kleid der Zeiten rein.
Im Buche der Geschichte
Ist wieder voll ein Blatt
Macht auf ihr edlen Ahnen!
Der letzte Ritter naht. Heinrich Steinheuer |