Offne FensterLiebes, leichtes Seelchen meiner Lieder,
Findest du zu mir den Weg nicht wieder?
Sieh, wie meine Fenster offen stehn!
Daß du bald auf meinen Finger nieder
Senken magst dein weiches Flaumgefieder.
Kannst du mich, so herzlos, bitten sehn?
"Tirili", so hör' ich leis ein Kehlchen,
Und ich seh im Wind mein Liederseelchen
Vor dem Fenster hin und wider wehn:
"Ach, dein offnes Fenster täuscht mich nimmer!
Deine Freude starb. Im Sterbezimmer
Läßt du deine Fenster offen stehn!"
Stumm hab' ich das Fenster zugeschlossen,
Keine Luft kommt mehr hereingeflossen,
Und doch drängt es mich hinauszusehn.
An die Scheiben streifen scheue Schwingen,
"Tirili", so hör' ich's draußen singen,
Und die Augen fühl' ich übergehn... Hugo Salus
Aus der Sammlung Meine Welt |