„Sommersucht“Ach gäbe es sie doch noch
Diese Sommerdüfte
Ach gäbe es sie doch noch
Diese Kastanien
Alleen leuchend grün
Schattenleichtes Flirren
Zitternder Sonnensterne
Zwischen satten Blättern
und
Goldener Flaum am violeten Horizont
Entflammt sachtes Hügelland
Ach gäbe es sie doch noch
Grasgrüngetarnte Heuschrecken
An Zikadensirrenden Sommerabenden
und auch giftig schillernede Fliegen
Stechendes Gemücke surrt und schwirrt
boshaft den Stachel gezückt.
Schmaus schwebende Schwalben
Das Heu so trocken
unter meinen baren Füßen
spreuspitz
Ach gäbe es sie dochnoch
Diese Kastanien
Meiner kindlichen Tage
Der ewigen Sommerabenden
Von nahfeuchten Teichen
Das halsige Quaken schleimgrünen
Froschgetiers
Helles Glockengeschell
bauchiger Ochsen
dem Hirten entlaufen
unter wuchtigen Eichen
nah den wilden Heckenrosen
und das ferne Gebell
einsamer Hofhunde
verstummt
mit dem ersten Unkenruf
Ach gäbe sie doch noch
Diese langen Stunden
In matter Abendwärme
Zickzackzuckende Falter
Verbrennen zu feinem Staub
Ihre Asche nachts
Lautloses Zischen
Stromsummender Stallichter
Ach gäbe es noch diese
lila funkelnden Nächte
Und das schauende Warten
In einen seidenen Himmel
Phantastischen Sternengetiers
Und iner scharfen Sichel
Mondklar über der geschnittenen
Ernte
Das Heu so trocken
Hohe Zeit
Für den Heimweg © Peter Reik, 2000 |