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Gedichte » Elisa von der Recke » Beym Anblick des gestirnten Himmels (II)


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Beym Anblick des gestirnten Himmels (II)

Ihr zahllosen Heere leuchtender Welten,
Wie hebt ihr die Seele des Denkers empor!
Unfasslicher wird ihm des Ewigen Grösse;
Ein Staunen ergreift ihn und himmlische Lust.

Itzt fühlt er sein Nichts, itzt hebet ihn wieder
Der hohe Gedanke: Auch dich schuf der Herr
Unendlicher Welten! Er gab dir die Seele,
Die zu ihm sich aufzuschwingen vermag.

Er gab dir den Geist, der im fliegenden Staube
Die Grösse des Unermesslichen späht,
Und kühn in Aeonen der seligen Zukunft
Voll zuversichtlicher Ahnung hineinschaut.

Schaut, Herrscher der Erde, zum Himmel empor!
Was fühlt ihr beym Anblick der herrlichen Glanz-Nacht?
Sinkt euer Stolz hinunter zum Staube?
Fühlt ihr, wie klein, wie wenig ihr seyd?

Wallt eure Brust voll hoffender Freude?
Voll Freude des künftigen besseren Seyns?
Ist euch der Tod ein freundlicher Führer
In Welten, wo uns kein Purpur mehr täuscht?

Schaut auf zum Himmel, ihr Erdbezwinger!
Und fühlet das Nichts der irdischen Pracht.
Werdet, ihr Herrscher, Väter des Landes,
Dann reicht euch die Tugend den himmlischen Kranz.

Elisa von der Recke

  
  


Elisa von der Recke   

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