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Alte Zeiten

Erschöpft an fremden Wegen
Ins Gras ein Wandrer sank;
Zur Ruh' mußt' er sich legen,
So müd' ist er, so krank.

Dem Himmel möcht' er fluchen,
Der um das Glück ihn trog,
Das rastlos er zu suchen
Die halbe Welt durchzog.

Ihm ward so hart das Leben,
So hart und kalt das Herz.
Zeit er dahingegeben
Das Heil für allen Schmerz.

Halb ließ er ihn sich rauben,
Halb warf er selbst ihn hin,
Den Mutterpfennig: Glauben,
Um kurzer Lust Gewinn.

Und doch macht' er erkaufen
Um Herzblut nicht und Schweiß,
Erjagen nicht, erraufen
Das Glück, ersehnt so heiß.

Nun ist er alt, und müde
Liegt er auf fremdem Feld,
Ihn hetzt' — ein wilder Rüde —
Zu Tod die falsche Welt.

Ihn zieht's mit tausend Armen
In alte Zeit zurück,
Als müßt' sein Herz erwärmen
Von ihrem Zauberblick.

Am Amboß in der Schmiede
Der schwarze Vater stand,
Im Hammerschlag und Liede
Gleich lustig und gewandt.

Und: fliege, Fädlein, fliege!
Im Stüblein nebenan
Vei ihres Jüngsten Wiege
Die Mutter saß und spann.

Und still zu ihren Füßen
Der blonde Knabe saß,
Den sie mit ihren süßen
Tiefblauen Augen maß.

Die Abendstrahlen drangen
Durchs offne Fenster ein —
Die Aveglocken sangen
Zur Ruhe Flur und Hain,

Und Vater, Mutter, Büblein
Knien nieder zum Gebet -
Acht strahlend durch das Stüblein
Des Glückes Engel geht ...

Der Wandrer selbst mußt' falten,
Die Hände fromm dazu,
Die bleichen Lippen lallten:
Maria - Mutter - Ruh'!"

Vergessen sind die Sorgen,
Er nickt — er schlummert ein —
So fand man ihn am Morgen
Entseelt am Straßenrain.

Wilhelm Kreiten
Aus der Sammlung Buch der Geschichten

  
  

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