TreueDie Bergstraß' herab ein Reitersmann
Zog früh beim ersten Morgen —
Das Rößlein hielt im Trab er an
Und wiegt' sein Haupt voll Sorgen:
"Mein liebes Rößlein, was eilst du so,
Schon grüßt das Städtlein im Grunde, —
Und die ich bring', ist gar nicht froh,
Vom toten Lieb die Runde.
"Ganz vor dem Tor ihr Häuslein steht,
Daran soll ich's erkennen:
Von Rosmarin gesäumt ein Beet,
Drin rote Röslein brennen.
"Die Röslein pflanzte seine Hand
Dereinst beim schweren scheiden,
Den Rosmarin, der Treue Pfand,
Den pflanzten sie alle zweibeiden.
"Sie gab ihm weinend ihr Ringlein fein,
Er gab ihr lachend den seinen:
"Wie Rosen blühen im Rosmarein,
Wird frohe Lieb' uns vereinen.'
"Dies Ringlein gab er im Felde mir
Und starb noch selbe stunde:
Und kehrst du heim, so bring es ihr
Zu meines Todes Runde!
"So will ich brechen den Rosmarein
Und brechen die Röslein im Garten
Und legen des Toten Ring hinein,
Dann still den Morgen erwarten.
"Und sieht sie früh vom Fenster stehn
Die Rosen gebrochen im Beete,
So wird sie weinend hinuntergehn,
Noch fromm vom Morgengebete.
"Dann wird sie jammern und sinkt aufs Knie:
Weh mir! meine Rosen gebrochen!
Und der sie pflanzte, nun kehrt wohl nie —
Die Lieb' ist verrauscht wie versprochen! —
"Und sie zu trösten dann tret' ich hin:
Verzeiht, o Jungfrau, dem Boten!
Doch schlimmer als Tod ist falscher Sinn,
Euer Lieb ging treu zu den Toten." Wilhelm Kreiten
Aus der Sammlung Buch der Geschichten |