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Flammenliebe

Siehst du sie durch den Eichwald fliegen,
Frau Allgund, weit voran dem Troß?
Siehst du den schlanken Leib sich wiegen
So herrlich auf dem weißen Roß?
Es stäuben hinter seinen Hufen
Im Fluge Busch und Stock und Stein;
Verhallt ist lang des Hüfthorns Rufen, -
Sie reitet durch den Wald allein.

Und in der Berge duft'ge Weiten
Blickt sie hinaus durch Waldesnacht;
Aus ihren weißen Händen gleiten
Die goldgeschmückten Zäume sacht;
Verworr'ne, süße Traumgedanken
Aus einer niegewes'nen Zeit
Umgaukeln sie mit irrem Schwanken
Und geben ihr das Weggeleit.

Da — jählings ist der Pfad zu Ende;
Ihr Auge kann nicht aus und ein;
Inmitten grauer Felsenwände
Sitzt sie auf ihrem Roß allein;
Verworrene, granit'ue Zacken
Und H'örner hangen hoch herein;
Des Rosses Hufe geh'n auf Schlacken,
Rings dämmert fahler Flammenschein.

Und wie der Fürstin Augen spähen
Nach rechts und liuks im Felsgemach,
Fühlt sie ein heimlich Grausen wehen,
Und in den Tiefen dröhnt es jach.
Ein Felsblock donnert auseinander
Und drinnen steht, von Sonnenbrand
Umleuchtet, König Salamander,
Ein flammend Scepter in der Hand.

Er tritt heraus; mit Flammenglänzen
Im Auge spricht er zu Allgund:
„Du wagtest dich in meine Gränzen, —
So sei dir meine Herrschaft kund!
Verfallen ist dein Leib und Leben,
Das du mir selbst verpfändet hast;
Doch will ich dir die Freiheit geben,
Empfängst du mich heut' Nacht als Gast!"

So sprach er, und mit Geisterschritten
Kam er zu ihrem Roß geschwebt
Und sah sie an mit stolzem Bitten,
Daß tief ihr heißes Herz erbebt';
Halb zagt sie; doch auf ihrem Munde
Brennt schon ein Kuß voll Seligkeit: —
„So komm denn um die zwölfte Stunde,
Du arger Geist; ich bin bereit!"

Da sinkt er in den Felsgrund wieder,
Die Gluth erstirbt, ein Donner grollt;
Durch Wald und Oede schimmert wieder
Der Abendsonne lichtes Gold;
Und Vöglein singen in den Bäumen,
Des Hüfthorns Heller Ton erschallt
Da reitet still, in tiefen Träumen
Allgunde heimwärts durch den Wald.

Doch um die stille zwölfte Stunde,
Da flog als Gruß ein Flammenstrahl
Aus der Geklüfte tiefsten: Grunde
Hinauf in ihren gold'nen Saal.
Da stieg aus dunkler Felsenspalte,
Umglänzt von Regenbogenlicht
Der Flammen Herr, der bergesalte,
Mit jugendschönem Angesicht.

Da kamen Flammenküsse wehend
Verzehrend heiß in süßer Gluth;
Da hat, in Lust und Tod vergehend
Sie an des Geistes Brust geruht;
Heiß pochte Herz an Herz zusammen,
Den seid'nen Pfühl ergriff der Brand.
Und kletternd fuhren tausend Flammen
Hinauf an gold'ner Pfeilerwand.

Und wilder ward der Lohe Wogen,
Hoch schlug der Brand am Dach empor;
Die Balken dröhnten gluthgebogen,
Und donnernd stürzte Thurm und Thor.
Zwei helle Flammenbilder tauchten
In kühlen Aetherduft sich ein —
Des Schlosses Trümmer aber rauchten
Am Waldgebirg im Mondenschein.

Max Haushofer
Aus der Sammlung Vermischtes

  
  


Max  Haushofer   

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