Flammende ZeitenGranitgebirge stehen
Am dunklen Erdenrand;
Des Weltmeers Wogen gehen
Um ihre Riesenwand.
Es stammen heil'ge Feuer
Darauf in lichtem Schein;
Blutrothe Ungeheuer
Seh'n in die Gluth hinein.
Der wild'sten Geister Sitze,
Dort sind sie aufgestellt;
Dort holen ihre Blitze
Die Wetter dieser Welt.
Und fährt von diesen Flammen
Einst eine über Land;
Dann schrumpft die Welt zusammen
Und stöhnt in Gluth und Brand.
Wild wird's dann auf der Erde,
Ein feurig böses Jahr;
Aufsprüht die Gluth am Herde,
Die Kerze am Altar.
Dann zuckt aus rost'ger Scheide
Das Schwert zum blut'gen Fest;
Und mit ihm gehen beide,
Der Hunger und die Pest.
Dann welken alle Halme,
Die Wälder stürzen ein;
Es zuckt sogar im Qualme
Der Todten mürb' Gebein.
Und nimmer stirbt und endet
Das Elend und der Wahn,
Bis seine Sturmfluth sendet
Erzürnt der Ocean.
Dann weichen sie, die Flammen,
Die wilde Gluth verlischt;
Und drüber schlägt znsammen
Die Woge, daß es zischt.
Dann glänzt in mild'rem Lichte
Die Welt, noch krank und matt,
Und nur in der Geschichte
Weht noch ein schwarzes Blatt. Max Haushofer
Aus der Sammlung Vermischtes |