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Sprüche - V.

60.

Der kleine Geist, fand er in Gott die Ruh,
Schließt vor der Welt sich ängstlich bangend zu;
Der große strebt, gestählt an Kraft und Sinnen,
Die Welt für Gott erobernd zu gewinnen.

61.

Dem Aste gleich, darauf der Vogel schlummert, ist
Erlernte Weisheit dir ein Halt bei stiller Frist;
Doch in der Zeit des Sturms zerbricht gar leicht der Ast;
Weh dir, wenn du alsdann nicht selber Flügel hast!

62.

Wenn die Blüten abgestreift,
Ist nicht gleich die Frucht gereift
An dem Baum im Garten.
Zwischen der Empfindung Zeit
Und der Zeit, wo Tat gedeiht,
Liegt ein banges Warten.

63.

Kein tüchtig Mühn, das seinen Lohn
Zuletzt nicht reichlich in sich hätte!
Wie mancher grub nach Wasser schon
Und fand einen Schatz an selber Stätte!

64.

Mohn und Zyanen im Korn, ihr scheltet sie wucherndes Unkraut,
Aber blühten sie nicht, fehlte der Ernte der Kranz.

65.

Proben gibt es zwei, darinnen
Sich der Mann bewähren muß:
Bei der Arbeit recht Beginnen,
Beim Genießen rechter Schluß.

66.

Sorgen sind meist von der Nesseln Art,
Sie brennen, rührst du sie zu zart;
Fasse sie nur an herzhaft,
So ist der Griff nicht schmerzhaft.

67.

Schwer ist oft das Tun fürwahr,
Aber schwerer ist das Lassen;
Dort gilt's einmal sich zu fassen,
Hier gefaßt sein immerdar.

68.

Was ich wünschte vor manchem Jahr,
Hat das Leben mir nicht beschert,
Aber es hat mich dafür gelehrt,
Daß mein Wunsch ein törichter war.

69.
       
Wie Herbstodem den Wald, so entlaubt dein Leben das Alter
Wohl dir, leuchtet dafür klarer der Himmel herein.

70.

Halte fest am frommen Sinne,
Der des Grenzsteins nie vergaß!
Alles Heil liegt mitteninne,
Und das Höchste bleibt das Maß.
Glücklich, wem die Tage fließen
Wechselnd zwischen Freud' und Leid,
Zwischen Schaffen und Genießen,
Zwischen Welt und Einsamkeit.

71.

Vor Leiden nur kann Gott dich wahren,
Unmut magst du dir selber sparen.

72.

Ist's nicht schier um zu verzweifeln,
Wenn ich sehn muß, wie sie's treiben,
Die da singen, die da schreiben
In dem weiland Dichterwald!
Und du läßt es dir gefallen,
Deutsches Volk, und nimmst von allen,
Was sie bringen, heiß und kalt:
Statt des Wahren nur das Reizende,
Statt des Schönen nur das Beizende,
Statt des Tiefen Mißgestalt.

73.

Welch ein Schweifen, welch ein Irren!
Alle Grenzen wild verwirren,
Unsre Zeit nimmt's für Genie.
Tonkunst will Gedanken klingen,
Dichtkunst eitel Farben bringen,
Malerei malt Poesie.

74.

Macht der Zeit verworrnes Stammeln,
Macht ihr wüster Rausch dir Pein,
Kehr', o Seele, dich zu sammeln,
Kehre bei dir selber ein.
Schon ein heilig ernster Wille
Zieht den Gott in deinen Kreis;
Bist du fromm und bist du stille,
So vernimmst du sein Geheiß.

Mag dir dann der Markt nicht lauschen,
Laß ihn stürmen, laß ihn rauschen
In besinnungsloser Hast!
Doch mit glücklicherm Geschlechte
Sitzest du die schönen Nächte
Bei der Zukunft schon zu Gast.

Emanuel Geibel

  
  

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