Am StrandeI.
Ocean, du tiefer, dunkelblauer,
Dem im Busen Himmel ruht,
Ob du Flotten auch bei Sturmesschauer
Schon verschlungen mit der Fluth.
Deinen tiefen Athem hör' ich brausend,
Wie du immer näher dringst,
Und lebendig rollest manch Jahrtausend,
Bis du Alles wieder schlingst.
Ew'ger Feind von Allen, die da wesen!
Schmeichelnd doch zu Füßen legst
Du mir Muscheln bunt und auserlesen,
Wie du fluchend dich bewegst.
Einem König gleich, der Feindeshorden
Kühn zum Untergange dringt,
Und dem Liebling spielend einen Orden
Um den treuen Busen hängt.
II.
Unermessne blaue Meeresfläche,
Eilig stürzen hell dir zu
All des Himmels gold'ne Strahlenbäche.
Wolkenmutter, lächelst du?
Taufend stolzer Königinnen Nacken
Schmückte deiner Perlen Glanz,
Ewig winden aus Korallenzacken
Deine Jungfraun sich den Kranz;
Wenn sie in dem Wald von Meerespflanzen,
Bei gedämpfter Sturmmusik,
Mit melodisch schlanken Gliedern tanzen,
Geistig fremden Glanz im Blick.
Sieh was kommt so still herangezogen?
Sei gegrüßet, o Delphinl!
Der du einst den Singer durch die Wogen
Rettend trugst zur Freiheit hin.
Hörst du ungesungne Lieder klingen
In dem vollen Busen mir?
Willst du mich ins Land der Freiheit bringen?
Auf, Genoß! ich zieh mit dir! Ludwig August Frankl-Hochwart
Aus der Sammlung Seefahrt |