Der MatroseEr springt an's Land mit seinem Solde,
Und Schweiß und Frost und Sturmgetos
Sind ihm bezahlt mit schwerem Golde,
Und geben den Geprüften los.
Vor Anker ruht sein Schiff im Hafen;
Doch brausender Begierden Macht,
Die auf der See so lang geschlafen,
Ist fessellos in ihm erwacht.
Es lockt kein Herd den Heimathlofen,
Er fühlt sich keiner Mutter Kind;
Ihm winken nur des Weines Rosen,
Und Mädchen, die ihm willig sind.
Wie nach des Meers versalzner Welle,
Ha, nach dem feuchten Element,
Des Weines feuerrothe Quelle
Ihn bis in's Mark wollüstig brennt!
Ström' fort und fort, du heißer Bronnen,
Heut gilt es eine wilde Nacht;
Wie tränk' ein Sklave dich besonnen,
Der Könige zu Narren macht.
Du magst ihm Well' auf Welle schicken,
Kein Sprühn und Sprudeln macht ihm Grau'n,
Er ist gewohnt, mit festen Blicken
Den Fluten auf den Grund zu schau'n.
Er sah so oft des Meeres Schlünde
Zu tiefen Zügen aufgethan,
Und sie vergnügt in ihre Gründe
Den gier'gen Riesenschlück empfahn. —
Ihr Dirnen! ei, im Reich der Küsse
Da weiß er auch ein Held zu sein,
Der Liebe schwelgende Genüsse
Erschöpft er tief, wie seinen Wein,
Wenn er mit stürmenden Gelüsten
Im Rausch bezahlter Wonnen ächzt,
Wie nach des Nordens weißen Brüsten
Der schwarze Sohn des Südens lechzt.
Was kränkt's ihn, daß die feile Schöne
Am Land vergeudet seinen Sold,
Ihn, der des Ozeans Sirene
Verschlingen sah der Länder Gold?
Was kränken ihn zerwühlte Haare
Und ein zerknicktes Seidenkleid,
Der Indiens und Peru's Waare
Vom Winde sah in's Meer gestreut?
Ihn, der so manchen Mast erklettert,
Wenn grimmig schwoll der Wogen Kamm,
Und dann ihn sah, wie er zerschmettert
Und müd und leck an's Ufer schwamm! —
Nun, auf die Lieb', noch eine Flasche!
Die Flasche aus! das Glas zerschellt!
Schon Ebbe wird's in semer Tasche,
Und neue Segel sind geschwellt.
Und rasch von seinen wilden Mahlen
Springt der Geworbne in die Höh',
Die letzte Zeche noch zu zahlen,
Und — wieder in die wüste See! Johann Georg Fischer |