Der MenschenfeindWill rüstigen Laufes mich entschlagen
Der Straßen Enge, der Mauern Haft,
Es übt die Erde in diesen Tagen
Die alte, heilige Blüthenkraft;
Entfliehen will ich der Menschen Leben,
Entfliehen der Städte Angstgestalt,
Will mein bedürftiges Herz ergeben,
Dämonen der Wildniß, in eure Gewalt.
Ihr habt vor Zeiten die Kraft geboren,
Ihr zöget den Geist und die Freiheit groß;
Doch die Freiheit ist und die Kraft verloren,
Und der Geist versiegt in der Städte Schooß.
Und kann ich die Schätze nicht wieder heben
Und ihren erloschnen Sonnenschein,
So will ich retten mein freies Leben,
Nicht mit den Todten begraben sein.
Empor am blühenden Stromgestade
Bis in der Berge rosiges Licht!
Durch Stein und Moos und schluchtige Pfade,
Bis wo aus Felsen die Quelle bricht!
Schon deckt mich der Wald mit den Blätterkronen,
Schon enget der Strom sich zum rauschenden Bach,
Und führt mich, wo ferne die Menschen wohnen,
Dem Bilde der Kraft und der Jugend nach.
Wie schaut ihr erhaben, ihr Bergesstufen,
Darein Jahrtausende sich geprägt.
Geprägt mit des schäumenden Rosses Hufen,
Das den herrlichen Stürmer, den Wildbach, trägt!
Und wie sie sich windet am Uferhange
Und wie sie bäumt den gewaltigen Leib,
Die Eichenwurzel, die Riesenschlange
Mit der jungen Brut, das strotzige Weib!
Du Geist der Wälder, du freier König,
Wie rüstig schaltet dein Hausgesind!
Wie vielgestaltig und hunderttönig
Beschämt es das bleiche Menschenkind!
Einen Weltentflohenen laß mich treten
In deine reine Genossenschaft,
Und meine Seele von Grunde retten
An deiner tief lebendigen Kraft.
Wenn einst dm modernden Schutt der Städte
Dein wucherndes Wildgesträuch durchdringt.
Wenn deiner entfesselten Wasser Bette
Durch ihr Getrümmer sich zürnend schwingt,
Wenn an dem Volke, zum Fall erkoren,
Die ew'ge Natur sich, die treue, gerächt,
Dann siehst du vielleicht zu den öden Thoren
Einziehen ein treuer und besser Geschlecht. Johann Georg Fischer |