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Gedichte » Felix Dahn » Balladen, 2. Buch » Geißlerlied


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Geißlerlied

Die Sünde der Welt ward allzu stark,
Gott will sie nun treffen in Nieren und Mark:
Der Engel der Pest hält schreckliche Runde:
Achthundert fielen in einer Stunde,
Die Häuser voll Jammer, die Straßen voll Leichen,
Am Himmel lodern flammende Zeichen,
Der pfundschwere Hagel die Saaten zerdrosch,
Es bebte die Erde, die Sonne verlosch: –
Tut Buße und geißelt das sündige Blut: –
Nur Blut allein macht den Herrgott gut.

Wir haben vergessen Herrn Christi Tod,
Die Dornen, die Nägel, die Wunden rot,
Wir haben gezecht und geküßt und geschlafen,
Des sollen nun ewige Flammen uns strafen;
Auf siebenmal lachen kam einmal beten,
Drum soll'n in den Abgrund die Teufel uns treten:
Schon strömen herab unerschöpflichen Borns
Die schrecklichen Schalen des göttlichen Zorns:
So büßet und opfert in Strömen von Blut:
Nur Blut macht den grollenden Herrgott gut.

Auf, hurtig am Markte die Scheiter entfacht
Und brecht in die Häuser der Reichen mit Macht,
Schleppt Sammet und Seiden und Zobel zusammen
Und Schmuck und Geschmeide, hei, werft's in die Flammen,
Und zerrt an den Glocken, daß heulend sie tosen,
Zerstampfet die Reben, zertretet die Rosen,
Wir künden ein neues, ein Bußtestament:
»Wer lächelt, der hänget, wer singet, der brennt!«
Ein Tropfe macht sieben Jahr Hölle gut:
Doch die Hölle ist ewig und wenig das Blut.

Felix Dahn
Aus der Sammlung Balladen, 2. Buch

  
  

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