Gedichte: Arnim  Busch  Eichendorff  Goethe  Heine  Heym  Lessing  Morgenstern  Rilke  Ringelnatz 

Gedichte


Gedichte » Ignaz Franz Castelli » Aussicht auf bessere Zeiten


GEDICHTE
Neue Gedichte
Selten gelesen
Gedicht finden
Themen & Zeiten
Zufallsgedicht
Dichtergalerie
REDAKTION
Gästebuch
Gedicht des Tages
Veröffentlichen
Häufige Fragen
Kontakt
Impressum /
Datenschutz

WISSEN
Fachtermini

  
 

Aussicht auf bessere Zeiten

Zu ihren Töchtern sprechen die Mütter:
Laßt euch mit jungen Fanten nicht ein,
Denn diese verschmitzten Liebesritter,
Sie wollen nur tändeln, sie wollen nicht frei'n;
Doch eh' diese Lehren Eingang gewinnen,
Eh' unsere Mädchen den Nutzen versteh'n,
Und jungen Herrn aus dem Wege geh'n,
Wird noch viel Wasser den Fluß hinab rinnen.

Schon lange ist's eine alte Leier,
Daß über den Wucher man laut sich beklagt,
Man droht zu verfolgen mit Schwert und mit Feuer
Den Elenden, der solch Geschäfte wagt;
Doch eh' diese Leute, die so viel gewinnen,
Dukaten opfern der Ehrlichkeit,
Eh' sie ein rechtlicher Handel erfreut,
Wird noch viel Wasser den Fluß hinab rinnen.

Ein jeder meint, er kann Bücher machen;
Und wenn er auch kaum noch recht schreiben kann,
Sein Papier noch verbraucht zu Klatschen und Drachen,
So kündigt er schon seine Werke an.
Eh' sich solche Dummköpfe besser besinnen,
Eh' sie es erkennen und sehen es ein,
Das Buch macht nicht Buchdruckerschwärze allein,
Wird noch viel Wasser den Fluß hinab rinnen.

Eh' jene goldnen Tage erscheinen,
Wo man auch des Armen Talent nicht verkennt,
Wo man zwei Liebende doch wird vereinen,
Obschon die Kluft des Standes sie trennt;
Wo man dem Mann mit gesunden Sinnen
Mehr als dem berauschten Phantasten glaubt,
Und ihm nicht den Muth, sich zu zeigen, raubt,
Wird noch viel Wasser den Fluß hinab rinnen.

Kurzum, es sind gar betrübte Zeiten,
Wo's mit dem Guten nicht vorwärts will,
Wo die Dummen gut leben, hübsch fahren und reiten,
Und der Kluge daneben schleicht mäuschenstill;
Und die gute Zeit wird nicht eher beginnen,
Bis Mancher, welcher jetzt hochgeehrt,
Im Phaeton auf der Brücke fahrt,
Wird unter der Brücke den Fluß hinabrinnen.

Ignaz Franz Castelli

  
  


Ignaz Franz Castelli   

Ignaz Franz Castelli


   


Vorheriges Gedicht von Castelli Nächster Text von Castelli
   Gefällt Dir das Gedicht von Castelli?   ⇒ Kommentar/Rezension
  Weniger   Gut      Sehr gut   Ausgezeichnet     
 

 
   Gedichte, die Sie interessieren könnten ⇒ Übersicht  
19./20. Jh.  • Morgenstern: Bessere Tage 
Aufklärung  • Weiße: Die schöne Aussicht 
19./20. Jh.  • Janitschek: Am Gipfel 
1920  • Karl Kraus: Wohnungswechsel 


Gedichtsuche

  Nur im Titel suchen    
 




Konzept, Gestaltung und Inhalt © B. Ritter - Die Deutsche Gedichte-Bibliothek