Die NamenDas meist die Gesichter der Weiber lügen,
Die Klage ward oft schon zu Markte gebracht,
Doch, daß auch die Namen der Schönen betrügen,
Davon Hab' ich die Erfahrung gemacht.
Es hieß meine erst Liebe: Sophie;
Doch weise war leider ihr Name allein,
Ein Briefchen von mir las sie nur mit Mühe,
Und über den Oberon schlief sie ein.
Ein wahrer Dämon war C'olestine
Und Blanka hatte ein schwarzes Herz,
Nichts wen'ger als gütig war Clementine,
Sie trieb mit meinen Leiden nur Scherz;
Bei Rosen war schon die Blüthe gefallen,
Christine hat mich unchristlich verlacht,
Constanze war die Untreuste von Allen,
Felicitas hatte mein Unglück gemacht.
Von Engeln war Angela weij entfernet,
Aurora's Morgen verschwand zu geschwind,
Scholastika hatte schon auSgelernet,
Cacilia sah Alles, und Clara war blind,
Nicht nett genug war das kleine Nettchen,
Justina war immer voll Lug und voll Trug,
Und Barbara, dieses sonst liebliche Mädchen,
War nicht gegen Andre barbarisch genug.
Doch endlich gelang's, ich erblickte Reginen,
An Schönheit die Königin, wie an Verstand;
Da dacht' ich, bei der wird dein Glück dir wohl grünen,
Und reicht' am Altar ihr auf ewig die Hand.
Die weiß ihren Namen mit Recht auch zu führen,
Ich fühl' ihre Herrschaft und leider mein Joch;
Als Königin weiß sie im Haus zu regieren,
Und krönte mich neulich zum Könige noch. Ignaz Franz Castelli |