Am Rhein1.
O Strom, wie ziehst du
Vorüber mir!
So eilend fliehst du,
Und bleibst doch hier.
So still gebettet
So wunderbar,
So sanft geglättet
Und spiegelklar.
Der Himmel sinket
In dich hinein,
Der Himmel winket
Aus dir, o Rhein!
Er flammt so prächtig
In deinem Schooß,
Darum so mächtig
Bist du, so groß.
O Strom, ich blicke
Auf dich, auf dich,
Fast von der Brücke
Verlockst du mich.
Ein Meer von Funken
In Rosengluth!
Fast zieht michs trunken
In deine Fluth.
2.
Fischlein, Fischlein im Rhein,
Spielen im Sonnenschein,
Scherzen so wohlgemuth
Still in der grünen Fluth;
Fischlein im Rhein.
Fischlein, Fischlein im Rhein,
Könnt ich wie ihr doch sein
Sorgenlos, kummerlos,
Selig im Wellenschoos,
Fischlein im Rhein!
Fischlein, Fischlein im Rhein,
Einsam wand'r ich, allein.
Lebt wohl, muß weiter gehn,
Werd' euch nie wiedersehn,
Fischlein am Rhein! Ludwig Bechstein
Aus der Sammlung Wanderbuch und Wanderbilder |