August von Platen-HallermündeKarl August Georg Maximilian Graf von Platen-Hallermünde (* 24. Oktober 1796 in Ansbach; † 5. Dezember 1835 in Syrakus, Sizilien) war ein deutscher Dichter.
Eltern
Von Platen entstammt dem Rügener Zweig der Grafen von Platen. Sein Vater August Philipp von Platen (* 22. Juni 1748; † 8 Juni 1831) war Leutnant in hannöverschen Diensten, als er bei einem England-Aufenthalt den Markgrafen Alexander von Ansbach kennenlernte. Dieser holte ihn als Oberforstmeister nach Ansbach. Dort heiratete er Friederike Luise von Reitzenstein (* 8. März 1751; † 2. Mai 1815), die Tochter des Oberstallmeisters Ehrenreich von Reizenstein. Er hatte mit ihr sechs Kinder, das Paar ließ sich aber 1792 scheiden. So heiratete er 1795 die Tochter des preußischen Wirklichen Geheimrats und Ansbacher Oberhofmarschalls Eichler von Auritz, Louise Friederike Eichler von Auritz (* 19. November 1765; † 20. Mai 1842).
Leben
Vorübergehend lebte er mit den Eltern etwa ein Jahr in Schwabach, verbrachte aber den Großteil seiner Kindheit in Ansbach. Mit nicht ganz zehn Jahren wurde er 1806 Zögling des Münchener Kadettenhauses. Nach vier Jahren wechselte er auf die Königliche Pagerie. Hier interessierte er sich insbesondere für Fremdsprachen und Geschichte und schrieb erste Verse. 1813 meldete er sich zum Militärdienst und trat 1814 ins Erste Infanterie-Regiment ein. Zu dieser Zeit wurde er sich seiner Homosexualität bewusst, die für sein späteres dichterisches Werk große Bedeutung hatte, äußerte aber auch zeitweilig Gefühle für eine junge Französin, die Tochter einer Emigrantin. In dieser Phase entstanden patriotische Verse. 1814/1815 nahm er am Frankreichfeldzug gegen Napoleon teil. Ab 1814 beschäftigten ihn Suizidgedanken, die ihn sein Leben lang begleiteten. Vorübergehend dachte er daran, nach Amerika auszuwandern. In diesen Jahren begann er auch, sich für Botanik zu interessieren.
Im Frühjahr 1818 erhielt er ein königliches Stipendium und wurde für ein Studium der Rechtswissenschaften in Würzburg auf drei Jahre vom Militärdienst beurlaubt. Hier beschäftigte er sich neben Jura mit Philosophie und Botanik. Seine Leidenschaft für einen Kommilitonen blieb unerwidert; ihm widmete er einige Gedichte, vornehmlich Sonette.
Im Oktober 1819 wechselte er an die Universität Erlangen, gab sein bisheriges Studienfach auf und widmete sich stattdessen der Poesie. In Erlangen erinnern das noch erhaltene Platenhäuschen am Burgberg sowie eine Gedenktafel an seinem Wohnhaus (Marktplatz 4) an ihn. Er wandte sich der persischen Sprache und Literatur zu und veröffentlichte 1821 Ghaselen und 1823 Neue Ghaselen (siehe Ghasel). Seine erste Reise nach Venedig fand im Herbst 1824 statt. Dort entstanden ein Jahr später die Sonette aus Venedig. In seinen sieben Erlanger Jahren wechselten sich mehrmals Zuneigungen zu Mitstudenten ab. Diese Zeit gilt als die dichterisch fruchtbarste Periode in seinem Leben.
Im Sommer 1826 erhielt Platen von der Militärbehörde die Erlaubnis zu einem zweijährigen Studienaufenthalt in Italien. Im Jahr 1828 machte Heinrich Heine, in der Platen-Affäre, Platens Homosexualität in den letzten beiden Kapiteln seiner Bäder von Lucca öffentlich. Ausgelöst wurde dieser persönliche Angriff Heines – und daraus resultierend eine lebenslange Fehde zwischen den Dichtern – durch Platen, der Heine wegen dessen jüdischer Herkunft verunglimpft hatte. Platens Angriff gegen Heine waren wiederum kritische Verse von Karl Immermann vorangegangen, die Heine zustimmend in seinem Reisebild Die Nordsee (1827) publiziert hatte. Heine hatte sich von der Romantik abgewandt und sich ironisch mit den Dichtern spätromantischer Genres auseinandergesetzt, was Platen – der sich durch die wachsende Popularität Heines in seinem literarischen Einfluss zurückgedrängt sah – auf sich bezog. Platen kehrte nicht mehr aus seinem italienischen Exil zurück.
Platen bringt seine Empfindungen in dem Sonett Es sehnt sich ewig dieser Geist ins Weite zum Ausdruck.
Es sehnt sich ewig dieser Geist ins Weite, Und möchte fürder, immer fürder streben: Nie könnt ich lang an einer Scholle kleben, Und hätt ein Eden ich an jeder Seite.
Mein Geist, bewegt von innerlichem Streite, Empfand so sehr in diesem kurzen Leben, Wie leicht es ist, die Heimat aufzugeben, Allein wie schwer, zu finden eine zweite.
Doch wer aus voller Seele haßt das Schlechte, Auch aus der Heimat wird es ihn verjagen, Wenn dort verehrt es wird vom Volk der Knechte.
Weit klüger ist’s, dem Vaterland entsagen, Als unter einem kindischen Geschlechte Das Joch des blinden Pöbelhasses tragen.
In der Folgezeit wechselte er mehrmals seinen Wohnsitz zwischen Rom und Neapel. Er schrieb Gedichte und führte ein bescheidenes Leben. Er machte unter anderem die Bekanntschaft von Giacomo Leopardi; auch zum evangelischen Theologen Gustav Gündel entwickelte sich ein enges Verhältnis. Meist war er jedoch einsam und unzufrieden. Bis auf zwei kurze Besuche sah er seine Heimat nicht mehr wieder. 1835 floh er vor der Cholera von Neapel nach Palermo und dann weiter nach Syrakus, wo er den Winter verbringen wollte, um Geschichtsstudien zu betreiben. Dort erlitt er, alkoholkrank, eine Kolik und starb, 39 Jahre alt. Marchese Landolina ließ ihn im Garten seiner Villa bei Syrakus begraben, da es auf Sizilien keine protestantischen Friedhöfe gab.
Seine Büste wurde in der Ruhmeshalle in München aufgestellt. Nach ihm ist das Platen-Gymnasium in seiner Geburtsstadt benannt. aus Diese Biographie basiert auf einem Artikel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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