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Schau’ her --

Die weißen Blüten waren aufgeblüht,
die ich seit langem treu und sorgsam pflegte –
sie blühten wohl so licht und wundersam,
weil ich sie heimlich in der Stille hegte.

Mit meinem Herzblut hab’ ich sie getränkt . . .
hart war das Erdreich drunten an der Mauer –
und nimmermüd’ grub ich das Unkraut aus,
es schoß oft jäh empor – zu meiner Trauer,

viel zarte Knospen hindernd Tag um Tag
sich zu entfalten, wie sie auch sich mühten;
doch endlich, endlich ward ich reich belohnt:
Die weißen Blumen blühten – blühten – blühten . . .

Und ich stand da wie ein beschenktes Kind,
das freudig lächelt ob der Liebesgaben,
die man ihm aufgebaut zum Weihnachtsfest,
staunenden Blicks: Soll ich das alles haben?

O Glück! Die holde, junge Blütenpracht
war mein, vielleicht für eines Sommers Dauer,
da – kam ein Windstoß, plötzlich – über Nacht –
ich spür’ ihn immer noch, den kalten Schauer,

der mich durchdrang, als ich die Blumen sah
am Morgen, ach, nach dieses Sturmes Wüten –
schau’ her, mein Freund – nicht wahr, du fühlst es auch:
Es ist so traurig um zerwehte Blüten . . .

Leon Vandersee
Aus der Sammlung Verwehte Blüten.

  
  

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