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König Heinrich der Heilige

Gedicht von Karl Simrock

Zu Regensburg am Grabe St. Wolfgangs in der Nacht

Wer da gebetet habe,
Da keine Seele wacht?
Herr Heinrich wars, der gute,
Von Baiern, der noch gern
So spät, wenn Alles ruhte,
Hinkniete vor dem Herrn.

Erloschen sind die Kerzen,
Die Orgel schweigt im Dom;
Doch frisch aus seinem Herzen
Entspringt der Andacht Strom.
Wenn er den Heiland flehte,
Vergaß er Ort und Zeit,
In brünstigem Gebete
Ward ihm das Herz so weit.

Doch jetzt, zur Geisterstunde
Was schreckt ihn, welch ein Licht
Erfüllt des Chors Rotunde,
Das aus dem Grabe bricht?
St. Wolfgang ist erstanden:
Wie er ihn lebend sah,
So nun des Todes Banden
Entnommen steht er da.

Blickt huldreich an den Lieben
Und deutet mit der Hand
Auf eine Schrift geschrieben
Dort an der Kirchenwand:
"Post sex" mit klaren Zügen,
"Post sex" und dann nicht mehr.
Daran soll ihm genügen,
Und Nachts ists wie vorher.

Wohl gerne möcht er fragen;
Doch Niemand legt es aus:
Den Herrn ergreift ein Zagen,
Er schreitet still nach Haus.
„Nach Sechs? so wenig Stunden
Soll ich das Licht noch sehn?
Doch seis, Herr: Deiner Wunden
Verdienst läßt mich erstehn.

„Nicht viel ist zu besorgen,
Mein Haus ist bald bestellt:
Dann thu mit mir am Morgen,
Herr, wie dir wohlgefällt."
Er letzt sich mit den Seinen
Und fleht beim Morgenroch
Den Herrn bei seinen Peinen
Um einen sanften Tod.

Die Hände fromm gefalten
Schläft er ermüdet ein
Und läßt den Schlummer walten
Bis zu des Mittags Schein.
Da weckten ihn die Glocken:
„Sechs Stunden sind vorbei!"
Spricht er zu sich, erschrocken
Daß er am Leben sei.

Er freut sich doch des Lebens
Wie ungewiss das Ziel.
„Das Sinnen bleibt vergebens:
Nie lang es währt, gleichviel!
Ich will den Armen schenken
In der gegönnten Zeit,
Der Klöster auch gedenken,
So bin ich schön bereit."

Sechs Tage sind vergangen,
Sechs Wochen, Monden schon,
In Fülle darf er prangen
Der Kirche treuer Sohn.
„Du gönntest bis zur Bahre
Mir noch so lange Frist:
Gebrauch ich denn der Jahre
Als Herzog und als Christ."

Er füllt die Zeit mit Thaten
Und fleißt sich treu derweil
Die Länder zu berathen
Und seines Volkes Heil.
Die Fürsten auszusöhnen
Sinnt er bei Tag und Nacht
Und kämpft des Reiches Söhnen
Voran in heißer Schlacht.

Das sechste Jahr, das letzte
Verlief, er merkt' es nicht,
Der alle Kräfte setzte
An seine Herscherpflicht.
Man hört' ihn allwärts preisen
Gerecht und kühn und mild,
Den Wittwen und dm Waisen
Ein Schirm, ein fester Schild.

Das nächste Jahr, er dacht es
In Wahrheit nimmermehr,
Die Kaiserkrone bracht es;
Und drückte die auch schwer,
Er trug sie sich zum Ruhme
Doch zweiundzwanzig Jahr
Bis ihm zum Eigenthume
Gegönnt die Palme war.

Karl Simrock

  
  


Karl Simrock   

Karl Simrock


   


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