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Itha von Toggenburg

Einleitung zu Schillers Ritter Toggenburg.

„Wem hast du den Ring gegeben?
Die so züchtig schien!
An des Jägers Finger eben,
Falsche, sah ich ihn.
Den Verräther schleiften Pferde
Nieder in sein Grab,
Daß die Schmach gerochen werde
Sollst auch du hinab."

Reden will die Gräfin, wenden
Schimpflichen Verdacht,
Zornesflammen ihn verblenden,
Hat des Worts nicht, Acht.
Hebt sie auf mit starkem Arme,
Von dem hohen Saal Stürzt der
Wütherich die Arme Tief ins tiefe Thal.

Gute Geister schweben nieder
Von des Himmels Zelt,
Spreiten englisches Gefieder,
Daß sie sanfter fällt,
Betten ihr auf weichem Moose
Und erwacht sie jetzt Ruht die Reine,
Fleckenlose Heil und unverletzt.

„Gnade deiner Magd erwiesen
Hast du, süßer Christ,
Nimmer wird es ausgepriesen
Wie du gnädig bist.
Heiligend zu neuem Bunde
Lädt der Gnade Schein:
Dir von dieser Schreckensstunde
Leb ich, Herr, allein."

Wo sich Ranken dicht verstricken,
Bei des Adlers Horst,
Birgt sie vor der Menschen Blicken
Sich im tiefen Forst;
Nährt den Leib von Waldeskräutern,
Schöpft aus klarer Flut,
Sucht die Seele nur zu läutern
In der Andacht Gluth.

Baut ein Hüttchen sich von Zweigen,
Deckts mit Rinde rauh,
Betend in der Wildniss Schweigen
Kniet die heilge Frau.
Hat in Kreuzesform verbunden
Sich zwei Stäbe Holz,
Wunderbare Lust empfunden,
Wenn das Herz ihr schmolz.

Wollt es dann nicht länger tagen,
Helles Licht herbei
Bracht ein Edelhirsch getragen
Zwischen dem Geweih.
Und so saß sie viele Tage,
Saß viel Jahre lang
Lauschend ohne Schmerz und Klage
Himmlischem Gesang.

Doch des Grafen Herz durchschnitten
Scharfe Zweifel oft,
Ohne Schuld hat sie gelitten
Fürchtet er und hofft.
Spät verhört er seine Leute,
Allzuspät fürwahr
Wird dem Toggmburger heute
Ithas Unschuld klar.

Jenen Ring, des Bräutgams Gabe,
Glänzend war sein Schein,
Diebisch haschend trug ein Rabe
Ihn vom Fensterstein,
Hielt das leuchtende Geschmeide
Froh im Schnabel fest,
Seine Jungen spielten beide
Gern damit im Nest.

Zogen Jäger drauf im Walde
Streifend da vorbei,
Hört der Eine bei der Halde
Flücker Raben Schrei.
Sieht den Ring im Nche blitzen,
Schiebt ihn an die Hand,
Froh das Kleinod zu besitzen
Kommt er heim gerannt.

Tückisch lauschen grimme Strafen
Seiner Goldlust dort;
Aber schwer gereut den Grafen
Jetzt der Doppelmord.
Nächtlich fährt er aus dem Schlummer,
Träumt bei hellem Tag;
Da vernimmt er, was den Kummer
Wohl besänftgen mag:

„Nicht gestorben ist die Reine:
Im verwachsnen Wald
Vor dem Kreuze knieet eine
Selige Gestalt.
Manche würden sie nicht kennen,
Ach, ihr schwand der Leib;
Doch ich weiß sie dir zu nennen:
Itha ists, dein Weib."

Neubelebt sie zu begrüßen
Stürzt der Graf hinzu,
Knieet nieder ihr zu Füßen,
Flehet: „Heilge du,
Unwerth bin ich zu berühren
Deines Kleides Saum,
Dir zu richten muß gebühren,
Und ich hoffe kaum.

„Kannst du dennoch mir vergeben
(Selig ist Verzeihn),
Als dein Diener will ich leben,
Will dein Knecht nur sein.
Ja, ich les in deinen Augen,
Daß du mild vergiebst;
Aber soll mir Gnade taugen,
Sprich, ob du mich liebst?"

Karl Simrock

  
  


Karl Simrock   

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