Gedichte: Arnim  Busch  Eichendorff  Goethe  Heine  Heym  Lessing  Morgenstern  Rilke  Ringelnatz 

Gedichte


Gedichte » Karl Siebel » Ein Mädchenleben


GEDICHTE
Neue Gedichte
Selten gelesen
Gedicht finden
Themen & Zeiten
Zufallsgedicht
Dichtergalerie
REDAKTION
Gästebuch
Gedicht des Tages
Veröffentlichen
Häufige Fragen
Kontakt
Impressum /
Datenschutz

WISSEN
Fachtermini

  
 

Ein Mädchenleben

1.

Schau' ich ihm in's dunkle
Liebe Auge hinein, -
Füllen heiße Thränen
Oft die Wimper mein.

Thränen weint die Sehnsucht,
Thränen weint der Schmerz -
Doch in diesen Thränen
Liegt mein ganzes Herz.

Küßt er sie vom Auge,
Ist mir wohl und weh -
Denn mein ganzes Herze
Ich ihn nehmen seh'. -

2.

"Er steht so hoch und steht so fern,
Glänzt über mir als lichter Stern; -
So selig nah – und doch so fern!
Ach könnt' ich das vergessen!

Er zog mein Herz in sein's hinein
Und sprach: - "Es soll d'rin ewig sein!"
Sein Herz so weit und mein's so klein!
Ach könnt' ich das vergessen!

Er steht so hoch und steht so fern,
Glänzt über mir als lichter Stern; -
So selig nah – und doch so fern!
Ach könnt' ich das vergessen!"

3.

Ich möchte liegen und schlafen
Und schlafen die ewige Ruh -
Ich wollte, die Engelein kämen
Und drückten die Augen mir zu.

Ich wollt', ich wollt', es wär' Winter
Und Alles in ewigem Schnee,
Und Winter – ewiger Winter,
Er deckte auch mich und mein Weh.

O Winter! ewiger Winter! -
Mir bangt vor der eisigen Ruh -
Doch weiß ich, die Engelein kämen
Und drückten die Augen mir zu.

4.

Ach was soll dies ew'ge Spähen!?
Kommst doch nie zu deinem Ziele,
Kannst den Himmel nicht verstehen,
Neig' dich, Auge! Herze, fühle!

Gott! du mußt dich selbst mir zeigen!
Mußt dich selbst an mir erfüllen!
Sieh'! ich geb' mich dir zu eigen,
Thu' mit mir nach deinem Willen!

Nimm mir Alles hier auf Erden!
Hast du Alles mir genommen,
Laß mich wie die Kinder werden,
Und als Kindlein zu dir kommen!

5.

Es ist ein holder Traum die Liebe,
Ein Traum, den Phantasie gewebt;
Ein Traum, der gleich dem Schmetterlinge
Auf mancher schönen Blüthe schwebt.

Ein Traum, der allzubald verflieget,
Ein Traum, der allzubald vergeht, -
Der wie ein Duft, wie Lerchensingen
Im weiten Himmelsblau verweht.

Und dennoch reden heil'ge Bücher
Von einer Lieb' in Noth und Tod;
Von einer ew'gen heil'gen Liebe,
Die ew'ge Liebe: - sie ist Gott.

Versenke dich in diese Liebe,
Versenk' dich ganz und gar hinein,
Und ist auch Alles Trug und Thränen,
Du wirst in lichter Wahrheit sein.

Karl Siebel

  
  

Vorheriges Gedicht von Siebel Nächster Text von Siebel
   Gefällt Dir das Gedicht von Siebel?   ⇒ Kommentar/Rezension
  Weniger   Gut      Sehr gut   Ausgezeichnet     
 

 
   Gedichte, die Sie interessieren könnten ⇒ Übersicht  
19. Jahrhundert  • Roquette: Gegenüber 


Gedichtsuche

  Nur im Titel suchen    
 




Konzept, Gestaltung und Inhalt © B. Ritter - Die Deutsche Gedichte-Bibliothek