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Wandrers Mittag

Über Tal und Höhn gebreitet
Hängt der sommerschwüle Himmel,
Und in glühender Umarmung
Hält er die versengte Erde,
Dass in seines Kusses Brande
Wald und Flur und Heide rauchen,
Dass die Quelle lechzt im Sande
Und die Blumen und die Halme
In dem Qualme
Heißer Lüfte schier verhauchen. - -

Langsam am bestaubten Stabe
Schreit' ich durch versengte Matten.
Ob mich abends wohl zur Labe
Wird ein gastlich' Dach beschatten?
Mit dem Morgen ausgezogen
Nun gewandert bin ich lauge,
Bis die Sonne sich im Bogen
Tief geneigt zum Untergange.
Doch, indes ich so den müden
Fuß zur Heimat hingerichtet,
Hat ein Wetter sich von Süden
Drohend über mir geschichtet;

Eine Hütte fern herüber
Schimmert aus der Bäume Mitte;
Und der Himmel wölkt sich trüber,
Und ich haste meine Schritte.
Bald — wenn mit des Tages Schwüle
Ganz vollendet ist mein Wallen —
Wird auf diesen Pfad der kühle,
Milder Regen niederfallen.

Georg Scheurlin
Aus der Sammlung Winden. Wanderlust

  
  

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