VI. Schleswig-Holstein, Kind der SchmerzenSchleswig-Holstein, Kind der Schmerzen
Wurdest du von je genannte;
Ach, nun ist in Deutschlands Herzen
Hass und Streit um dich entbrannt!
Und, von eitlem Wahne trunken,
Bist du blind für Deutschlands Not,
Nährst und schlürfst der Zwietracht Funken,
Dass er hell zur Flamme loht.
Schleswig-Holstein, denk‘ der Stunde,
Da, zur Sühne für dein Leid,
Tausende am Alsensunde
Sich dem Schlachtentod geweiht;
Ha, wie da die Preußenfahnen
Siegreich flatternd aufgetaucht!
Hat dich’s nicht wie Zukunftsahnen
Deutscher Größe angehaucht?
Heute gilt’s dein Opfer bringen,
Das den Traum zur Wahrheit macht;
Doch du kannst dich nicht bezwingen,
Bist nur auf dein „Recht“ bedacht?
Allzu rauh an deine Pflichten
Mahnt dich nur der Preußengruß,
Fordert schmerzliches Verzichten –
Doch er fordert’s, weil er muss!
Lieblicher wohl mag dir’s klingen,
Wie’s vom Main und Donau schallt;
Doch es ist Sirenensingen –
Hör‘ es, aber bleibe kalt!
Schmach genug hast du erfahren,
- Brennt nicht jene Wunde noch? –
Als dich Habsburgs Söldnerscharen
Schmiedeten in’s Dänenjoch.
Fürchte dich vor Habsburgs Tücke!
Nimm die rauhe Freundeshand!
An des Friedens letzte Brücke
Lege nicht den Feuerbrand!
Willst du in des Wahns Betörung
Deutschland der Vernichtung weihn,
Bricht das Chaos der Zerstörung
Rächend über dich herein!
Männlich ist’s, den Kampf zu wagen
Für ein Recht, das in Gefahr;
Männlicher, ihm zu entsagen
An des Vaterlands Altar!
Lass den Traum von eignen Throne,
Dessen Schimmer doch nur Schein,
Sei dfür in Deutschlands Krone
Du der schönste Edelstein! Ernst Scherenberg
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