Gedichte: Arnim  Busch  Eichendorff  Goethe  Heine  Heym  Lessing  Morgenstern  Rilke  Ringelnatz 

Gedichte


Gedichte » Joseph Victor von Scheffel » Waldeinsamkeit » Waldeinsamkeit. VI. Einsame Blumen.


GEDICHTE
Neue Gedichte
Selten gelesen
Gedicht finden
Themen & Zeiten
Zufallsgedicht
Dichtergalerie
REDAKTION
Gästebuch
Gedicht des Tages
Veröffentlichen
Häufige Fragen
Kontakt
Impressum /
Datenschutz

WISSEN
Fachtermini

  
 

Waldeinsamkeit. VI. Einsame Blumen.

Nebel wallen, Wolken fliegen,
Der Fuß spürt, daß er hoch verstiegen;
Ists eine Klamm, ists ein Gesäuse?
Schrill tönts wie Pfeifen der Murmelmäuse.
Baumlos aufgähnt eine enge Schlucht,
Durch die ein Wildwasser Durchpaß sucht,
Das polternd und stürzend an senkrechter Wand
Ueber Trümmer und Blöcke thalab kommt gerannt.
Zu rauh für der Tannen ernstfinsteren Schmuck
Starrts hier wie ein Platz für Berggeisterspuk,
Hier haust wohl der Schrat in dem Berge.
Moos säumt den Kessel des Wildbachfalls
Und als spärlicher Rest des lebendigen Alls
Wiegt eine weltferne Bergblumenschar
Die schwankenden Stengel im Sprühschaum.
Vergnügt in sich selber, in Sommerfrischlust
Neigt ein Wildrosenstrauch seinen üppigen Blust
Hinab zum rauschenden Wasser.

Hier halt ich, ein hungrig durstiger Gast,
Bei einsamen Blumen einsame Rast!
. . Wo Felsenunwirthlichkeit Fasten aufzwingt,
Der Weise sich selber Bewirthung mitbringt
Und entnimmt des Bergsacks bergenden Falten,
Was als Imbiß vom Mütterlein heut er erhalten,
Kaltstellend in den eisfrischen Quellen,
Was wohlthut den muntern Waidgesellen,
Der Mahlzeit Würze, die Flasche mit Wein,
Tiroler Burgunder, den rothen Algunder . .

Mit dem ersten Trunk des gekälteten Purpurs
Sei weihend des würdigen Freundes gedacht,
Mit dem, was als Zauber im Hochgebirg lacht,
An dieser Stelle zuerst ich empfand.
Ihn freute der Hammer als Mineralog,
Die Kugelbüchse, wenns galt dem Gejaid,
Und, wo er auf glücklichen Pirschgängen zog,
Erschien ihm die Muse im Jagdjuppenkleid.
»Uns ist Musik, so sang er, wenns saust,
Wenn das Gestein vom Absprung der Gemsen
Rollend die Gräben hinunter braust . .
Uns ist das Echo knallender Büchsen
Mehr als Trompeten und Paukengepräng'
Unsere Juwelen glänzen im Thaue,
Unsere Feste im Felsengedräng.«
Heil dir, du Mann mit dem Herzen von Gold,
Mit dem silbernen Haar und den Sehnen von Stahl,
Wildangerfröhlicher Forscher!

Nun aber drei wilde Röslein gepflückt
Und den Jägerhut und die Brust geschmückt
Und wieder hinab zu den Wäldern! . .
Es beflügle den Schritt mir der sinnige Spruch,
Den das Mütterlein roth strich im Lenaubuch:
                »Weiter soll sich Lieb' von Lieb'
                In das Land nicht wagen,
                Als man blühend in der Hand
                Kann die Rose tragen!

Joseph Victor von Scheffel, 1884
Aus der Sammlung Waldeinsamkeit

  
  


Joseph Victor von Scheffel   

Joseph Victor von Scheffel


   


Vorheriges Gedicht von Scheffel Nächster Text von Scheffel
   Gefällt Dir das Gedicht von Scheffel?   ⇒ Kommentar/Rezension
  Weniger   Gut      Sehr gut   Ausgezeichnet     
 

 
   Blumen. Gedichte, die Sie interessieren könnten ⇒ Übersicht  
19./20. Jh.  • Morgenstern: Eine einsame Rose Favorit unserer LeserFavorit unserer LeserFavorit unserer Leser
19./20. Jh.  • Rilke: Wer einst das einsame Haus erbaut... Favorit unserer LeserFavorit unserer LeserFavorit unserer Leser
Vormärz  • Heine: Was will die einsame Träne Favorit unserer LeserFavorit unserer Leser
19. Jahrhundert  • Leuthold: Waldeinsamkeit 


Gedichtsuche

  Nur im Titel suchen    
 




Konzept, Gestaltung und Inhalt © B. Ritter - Die Deutsche Gedichte-Bibliothek