Kinder und AlteBeim Spiele fiel es den Kindern ein,
Großeltern wollten sie heute sein. —
Das Mägdlein, das lachende Strudelköpfchen,
Setzte die Haube aufs lockige Zöpfchen,
Und der Junge, der kleine Mann,
Sah durch die Brille die Welt sich an,
Stülpte das Käppchen sich schief aufs Ohr,
Rauchte und nahm sich die Zeitung vor.
So taten die törichten Wichtchen
Gar über die Maßen gescheit,
Verzogen die Rosengesichtchen
Und schwatzten von kommender Zeit,
Legten die Stirn gar in krause Falten -
Genau wie die Alten!
Und die Jahre vergingen, ein glänzender Tross,
Und das Leben, das goldene Leben verfloss,
Und schleichend, gebückt, mit faltigen Wangen,
Kam das Alter gegangen.
Da saßen sie wieder zusammen, die zwei,
Sprachen und plauderten mancherlei
Von längst entschwundenen Tagen,
Von manch versunkenem Jahr? —
Das war ein Sinnen und Sagen,
Wie die Jugend so selig war!
Und wie er der Kindheit sich sehnend besann,
Lachte und weinte der alte Mann,
Und die Greisin nicht minder —
Genau wie die Kinder! Frida Schanz
Aus der Sammlung Erster Teil. 1880-1890. |