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Altes Ghettoliedchen

Estherl, mein Schwesterl, was ist mir gescheh'n!
Ein Judenkind soll unter Christen nicht geh'n!
Die Mutter hat recht; aber jetzt ist's zu spät,
Sie hab'n mich erkannt und gehöhnt und geschmäht
Und gezerrt am Haar und das Kleid zerrissen
Und Unflat und Steine nach mir geschmissen,
Estherl!

Estherl, mein Schwesterl, da ist es gescheh'n,
Da hab' ich den Ritter kommen geseh'n,
Mit dem Schwert an der Seite, mit dem Kreuz auf der Brust,
Und ich hab' nur immer ihn anschau'n gemußt,
Und sein Blick hat die Christen von dannen getrieben,
Und er ist bis ans Tor bei mir geblieben,
Estherl!

Estherl, mein Schwesterl, was ist mir gescheh'n?
Ich werd' wieder, ich weiß, in die Christenstadt geh'n,
Und wenn sie mich stoßen, was liegt mir daran,
Wenn ich ihn nur noch einmal anschau'n kann,
Nur einmal! Dann sollen sie mich erschlagen.
Nur der Mutter, hörst du, darfst du nichts sagen,
Estherl!

Hugo Salus
Aus der Sammlung Ernte

  
  

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