Das Glück und die Art zu betenGedicht von Elisa von der ReckeWenn ich vor meinen Schöpfer trete,
Und hier in heil`ger Einsamkeit
Zu ihm aus voller Seele bete:
Was fühl ich dann für Seligkeit!
Ganz werd ich Geist, und Alles flieht,
Was mich zur Erde niederzieht.
O dann entbehr ich gern die Freuden,
Wodurch die Welt der Flitterpracht
Die Menschen, die sich drum beneiden,
Nur elend und zu Sklaven macht;
Ich fühle: Gott gefällig sein,
Das, das ist wahre Freud allein.
Ja, dann entweichen alle Sorgen;
Leicht wird das Leiden, das mich drückt;
Ich weiß es, nichts ist dem verborgen,
Der in des Herzens Tiefen blickt.
Kein blindes Schicksal leitet mich,
Des freue meine Seele sich.
Auch gibt Gebet und Kraft im Leiden,
Erhöht zur Tugend unsern Geist,
Und hilft uns Alles, Alles meiden,
Was uns der Tugend sonst entreißt;
Nur müssen unsre Bitten rein,
Und eines Christen würdig sein. Elisa von der Recke |