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Einem Selbstling

Der härteste Fluch, dir ward er auferlegt,
Des Unglücks schwerstes Theil dir zugewogen:
Ein Herz, von keiner Neigung sanft bewegt,
Zu keinem andern liebvoll hingezogen.

Der Laut, durch den die Gottheit zu uns spricht,
An dir verhallt er, fremd und unverstanden!
Zwar ahnest du dein tiefes Elend nicht,
Doch, – ist es darum weniger vorhanden?

Der Blindgeborne kann sich nach der Pracht
Des unbekannten Lichtes auch nicht sehnen;
Er mag, gewohnt an seine stete Nacht,
Nichts zu entbehren, nichts zu missen wähnen.

Wir aber, denen hell des Tages Glanz
Hernieder strahlet von dem Himmelsbogen,
Wir wissen und empfinden voll und ganz
Um welches Glück ihn die Natur betrogen. –

Der Weg, auf den ihr Wille dich gestellt,
Wie öde ist er und wie gottverlassen!
O bitt'res Loos, in dieser reichen Welt,
Nur sich, den armen, kleinen Punkt, zu fassen! –

Der Frost, der dich durchdringt, vielleicht versehrt
Er noch manch' warmes Herz mit seinem Schauern!
Doch tiefer'n Mitleids dünkest du mich werth,
Und mehr als deine Opfer zu bedauern.

Sancta Theresia! erschöpfend hast
Die Qual, von welcher Lucifer getrieben,
Zusammen du in dieses Wort gefaßt:
»Der Unglückselige! er kann nicht lieben!«

Betty Paoli

  
  


Betty Paoli   

Betty Paoli


   


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