Gedichte: Arnim  Busch  Eichendorff  Goethe  Heine  Heym  Lessing  Morgenstern  Rilke  Ringelnatz 

Gedichte


Gedichte » Otto zur Linde » Denken, Zeit und Zukunft » Der Weltkrieg » WEG UND WAHN


GEDICHTE
Neue Gedichte
Selten gelesen
Gedicht finden
Themen & Zeiten
Zufallsgedicht
Dichtergalerie
REDAKTION
Gästebuch
Gedicht des Tages
Veröffentlichen
Häufige Fragen
Kontakt
Impressum /
Datenschutz

WISSEN
Fachtermini

  
 

WEG UND WAHN

Ihr sollt „Weg“ denken und nie Dogma registriern.
In meinem Buch will auch Vergangenheit noch Zukunft sein.
So sollt ihr nichts in diesem Buche lesen als Fixiertes.

Es fließt. Und ihr sollt schwimmen. Welche Welle
Euch trägt, und welche Welle euch wehrt, und wo Vergangnes
Mit Gegenwärtigem ein Wirbel ist, da ist d o c h Zukunft

Das Werdende und ist schon da und war auch
Da, als noch Vergangenheit sie stammelte.
Die Wahrheit „wächst“ und ist ihr eignes Samenkorn,

„Aus“ dem sie wächst. Dies Korn zu finden,
Soll eure Würde sein, ein Buch zu lesen,
Und „euer“ WERT zum WERT der Worte, die ihr lest.

Lest ihr aber Dogma und fixiert ihr
Wahrheit zum Widerspruch und Stillstand,
Da ist kein WEG, und ihr seid keine Wirklichkeiten.

Wer nicht erwacht ist aus dem Wahn, wer will
Traumgaukeln und den Pfahl des Anbindens
Seiner Unsicherheit, und dann der Welt und sich

Ein sehr, sehr Kluger sein, der ist so dumm,
Daß es dem Denker zum Verzweifeln ist, und daß der Dichter
Sich schämen möchte dessen, der ihn liest.

Oh Einsamkeit, Vergeblichkeit, wann ist um uns
„Milieu des Geists“, darin wir unser Denken
Sachlich, honorig, und als „gute Gesinnung“ tun und sind!

Sodaß wir ECHO ernten, welches uns
In unserm eignen Denken wieder Saat sein kann —
Oh daß ihr „mitlebt“ mit mir und ich mit euch.

Es ist so vieles, das der Denker weiter denkt,
Und das doch da sein muß, weil seine Samen
Selber sind und aus sich selber wachsen —

Und aller Irrtum „ist“ doch Weg, und aller Samen „
Will“ doch Frucht, nie ist WEG zu ende.
Was hinter euch und mir liegt, liegt im Buche

„Vor“ mir und euch, kein WEG geht aus.
Alle Vergangenheit „ist“ vor euch liegende Zukunft,
Wenn ihr WEG meint und nicht Wahn.

Was ich gewußt, war Wollen. So will ich
Heute und künftig wie je den WEG —
Ich will mein Denken denken, will es sein und tun.

So bin ich reziprok mit mir. Ihr aber, Lesende,
Seid ihr nicht reziprok mit euch, ist euer Lesen
Eine Schändung am Dichter, Denker, ihr wollt hurn

Und stehlen, oder abwälzen euren Selbsthaß,
Dann ist euer falsches Ich im Buch
Und spricht solche Worte in die Welt

Oder macht eine Maskerade; noch am adligsten
Ist Angleichung, aber doch ist dann Vergeblichkeit.
Wer nicht sein eigner WEG ist,dem ist dieses Buch nur WAHN.

Otto zur Linde
Aus der Sammlung Der Weltkrieg

  
  

Vorheriges Gedicht von Otto zur Linde Nächster Text von Otto zur Linde
   Gefällt Dir das Gedicht von Otto zur Linde?   
  Weniger   Gut      Sehr gut   Ausgezeichnet     
 

 
   Gedichte, die Sie interessieren könnten ⇒ Übersicht  
19. Jahrhundert  • Daumer: Enthalte dich der Nüchternheit... 
Barock  • Logau: Der Wahn 
19./20. Jh.  • Grünberg: Ein Wahn, der eine Menschenseele... 
19./20. Jh.  • Otto zur Linde: Es war aber Wahn und Angst 


Gedichtsuche

  Nur im Titel suchen    
 




Konzept, Gestaltung und Inhalt © B. Ritter - Die Deutsche Gedichte-Bibliothek