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FRAGEN AN MISHIMA

Wohin gingst du fort,
Als zerstob dein Reich:
Trug des Glaubens Wort
Dich zu einem Hort,
Dir gemäß, gar gleich?

Schläfst du im Taifun,
Adler ersten Rangs,
Fern von deinem Tun,
Himmlischer Schogun
Ewiger Phalanx?

Du schon Kami bist,
Der in Wolken treibt,
Auch Gestalt vergißt,
Bar von Ziel und Frist,
Glücklicher, entleibt?

Oder hat der Stahl
Dir nicht offenbart
In der Ahnen Saal,
Läuterndes Fanal,
Friedlich, blütenzart?

Kniest du immer noch
Einsam und entblößt,
Herrlich siegreich, doch
Von der Sinne Joch
Niemals ganz erlöst?

Kringelt Purpurs Harm,
Jäh, als blasser Rauch,
Schmerz-Geschmeide, warm,
Stummer Schrei von Darm,
Grell aus deinem Bauch?

Hast Endymion
Du im Traum erwählt
Oder bleibst du, Sohn
Schweigsamer Nation,
Bloß dem Schwert vermählt?

Blutiges Idol,
Heiliger, pervers,
War dein Gang frivol:
Dientest du dem Wohl
Deines steifen Speers?

Speist von Freude frei,
Du, zu welchem Preis,
Unterm Konterfei
Der Tatenokai,
Stumm, der Reue Reis?

Schlürfst mit Buddha du
Glanz vom Morgentau?
Strömst du als Tabu
Auf die Sonne zu,
Ohne Krieg und Frau?

Schriebst du in den Sand,
Bei der Schatten Kai,
Letzten Haiku, fand
Dich der Gnade Hand,
Großer Samurai?

Hat in lichter Terz
Lohe, nuklear,
Früh gestählt dein Herz?
Brachtest du im Scherz
Dich als Opfer dar?

Wurdest du erhört,
Als der Blitz dich traf
Oder hast, betört
Von dir, kurz gestört
Du des Pöbels Schlaf?

Ist dein Tenno tot?
Warst du sein Lakai?
Gilt der Liebe Lot?
Schäumt in Mündern, rot,
Noch der Ruf "Banzai"?

Antwort niemand kennt:
Ob das Angesicht
Deiner Verse brennt
Hell, befleckt, präsent,
In der Zeiten Licht?

Kamst du, göttlich, lind,
Mit dem Wind allein?
Gingst du, Krieger, blind,
Wieder mit dem Wind
Um ein Gott zu sein?

© Uwe Nolte
Aus der Sammlung Spätes Erwachen

  
  


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