Minnifinks LeichenzugDen sonnigen Hang, den Buchenhain,
Verklärt des Abends Dämmerschein,
Und durch die Ahornwipfel braun
Da war die Glorie zu schaun,
In welcher, bei der Sonne Sinken,
Gleich Erz des Waldes Blätter blinken!
Hoch steigen rings die Berge blau
Ins Abendlicht. Ein Wölkchen schau
Ich schimmelnd weiß um den Vulkan,
Der wie ein Kegel ragt hinan,
Als ob sich dort die Silbersee’n enthüllten,
Die Indierseelen stets mit Lust erfüllten!
Ein Trauerchor erscholl, es taucht
Im Wald, den Abendglut durchhaucht,
Ein Zug nun auf an Flusses Rand, —
Manch großes Herz, manch tapfre Hand!
Dort kommen sie auf Schlangenwegen,
Ihr schwarzes Haupt ins Grab zu legen.
Sie sangen, dass in Heimatgaun
Im Blumenmond er war zu schaun,
Dass übers Haupt, so stolz getürmt,
Kaum dreißig Winter hingestürmt,
Und dass, wie reif nunmehr die Früchte hangen,
Er zu den Vätern heimgegangen.
Ein Mantel braun, des Rehbocks Fell,
Umhüllt des Kriegers Leich’ und hell
In Falten steif die Waffe starrt
Für Kriegerarbeit blutig hart;
Gehenk, mit Perlenzier behangen,
Beim Panzerkorbe sieht man prangen.
Im Rabenhaar dem Zug voraus
Eine Jungfrau bricht in Klagen aus,
Und hinterdrein ein düstrer Zug
Berühmter Häupter, alt und klug,
Die, wie sie voll des Kummers schreiten,
Des Toten Streitross still geleiten.
Der bunten Schlachtendecke nun bloß,
Doch ungebeugt, zügel- und reiterlos,
Mit blitzendem Aug, die Nüstern weit’
Geöffnet trabt es wie zum Streit,
Und scharrt mit ungeduld’gen Hufen,
Als wollt’s herbei den Reiter rufen.
Und als im Grab der Häuptling ruht,
Da gaben sie frei den Renner gut;
Ein Wiehern jäh und schrill erklang,
Ein flinker Pfeil sein Herz durchdrang,
Dass Nachts man in der Toten Auen
So Pferd wie Reiter konnte schauen! Henry Wadsworth Longfellow
Aus der Sammlung Ausgewählte Gedichte |