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Liebeslieder der Eva von Trotha

Gedicht von Karoline Leonhardt

* Eva von Trotha war ein Edelfräulein der Herzogin von Braunschweig-Wolfenbüttel und die Geliebte des Herzogs Heinrich von Braunschweig-Wolfenbüttel. [Anm. d. Red.]



1. Eva im Sarge, in der Gruft zu Gandersheim



Still ist's um mich, schon hat die Nacht begonnen,
Die mich der liebeleeren Welt entzieht,
Mir öffnet jetzt der Sarg ein Land voll Wonnen,
Wo mir des Lebens reines Licht erglüht.

Ein leiser Seufzer schallt in diesen Räumen; -
Weck' nicht die Todten zu des Lebens Müh'n!
Naht nicht, ihr Schauer, mir mit Fieberträumen,
Wo Liebe lebt, muß selbst der Tod entflieh'n!

Mit Perlen fühlt' ich mich von Freunden schmücken,
Mit Myrten von der Nonnen zarter Hand,
Doch ew'ges Leben, himmlisches Entzücken
Hat Heinrich in der Rose mir gesandt.

Drei Knospen sind's, die Treue mir verkünden,
Ha, ist's die Glocke, welche dreimal klingt?
Um diese Stunde kommt er, mich zu finden,
Der Morgen strahlt, die dunkle Nacht versinkt!

Lebt wohl, Gefährten dieser ernsten Stunden,
Für mich an Bangen und an Hoffnung reich!
Ihr Schlummernden, habt ihr wie ich empfunden,
So ist für euch das Grab dem Himmel gleich.

Den Lieben hat es wieder euch gegeben,
Ihr seyd vereint, drum gönnt auch mir mein Glück! -
Er nah't, ich hör' ihn! – Hätt' ich tausend Leben,
Die Leben all' für diesen Augenblick!


2. Eva, die Todtgeglaubte, in ihrer Kammer



Ach, Mancher dünkt sich fest gebunden,
Die weite Erde scheint ihm klein;
Ich hab' die ganze Welt gefunden
In meinem stillen Kämmerlein.

Von früh bis spät schau' ich mit Bangen
Nach dem begränzten, steilen Pfad,
Auf dem mit liebendem Verlangen
Mein heißersehnter Liebling naht.

Ob auch als Schönste aller Schönen
Kein Ritter Eva mehr erkennt,
Wenn Heinrich nur mit süßen Tönen
Mich seine einz'ge Liebe nennt.

Noch gestern hört' ich seine Worte,
Noch blühet mir sein duft'ger Strauß;
So schmück' ich stets, am stillen Orte,
Ein Paradies voll Bilder aus.

Drum such' ich nicht die große Erde,
Kein Schloß voll Gold und Edelstein.
Ich wünsche, bis ich scheiden werde,
Mir nur dies traute Kämmerlein.

Karoline Leonhardt

  
  

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