Gedichte: Arnim  Busch  Eichendorff  Goethe  Heine  Heym  Lessing  Morgenstern  Rilke  Ringelnatz 

Gedichte


Gedichte » Jakob Michael Reinhold Lenz » Die Landplagen » Die Landplagen


GEDICHTE
Neue Gedichte
Selten gelesen
Gedicht finden
Themen & Zeiten
Zufallsgedicht
Dichtergalerie
REDAKTION
Gästebuch
Gedicht des Tages
Veröffentlichen
Häufige Fragen
Kontakt
Impressum /
Datenschutz

WISSEN
Fachtermini

  
 

Die Landplagen

Ein Gedicht in Sechs Büchern.

Ode an Ihro Majestät Catharina die Zweite, Kaiserin von Rußland

Die Du weis' und gerecht stets in demselben Glanz
Herrschst, Anbethung verschmähst, anbethungswürdig sein
Ohne Lorbeer voll Bluts, thörichte Helden lehrst,
Hin, hinauf zu Dir fleugt mein Lied.

Furchtsam weihet es Dir dieses betränte Bild
Durch der Mitternacht Graun schlängelnder Blizze, Bluts,
Das durch Blumen und Gras rinnt, wie die Quelle rinnt,
Und des Sterbtages der Natur.

Mit des Frühlinges Pracht, mit seinem ersten Schmuk
Kränzt' ihr glükliches Haupt, schmükte die stolze Brust
Meine Muse, wenn Dir, wenn auf diß Bild, wenn Dir
Eine göttliche Trän' entfiel.

Denn Du hassest den Krieg, hassest den prächtgen Mord,
Winkst dem Hunger zu fliehn, betest zu Gott fürs Land
Und Dein Flehen verscheucht Abbadon, daß das Schwerdt
Aus der bebenden Hand ihm sinkt.

Kann er hart genug einst, Dich uns zu rauben, sein?
Solch ein Lächeln wie Deins sehen und tödten? Traurt,
Bebt sein Innerstes nicht, wenn er ein Bild von Gott,
Catharinen entseelen soll?

Lebe, Mutter der Welt! siehe, der Völker Wohl
Fleht, es fleht Ihr Gebet, still in die Nacht geschluchst:
Lebe! die Du an Huld gleichest der Gottheit, sei
An Unsterblichkeit auch ihr gleich.

Denn ich seh es im Geist, um Deine schwarze Gruft
Drängt ein sprachloser Kreiß; Schluchsen und Seufzen trennt
Die nachhallende Luft, Schluchsen und Heulen tönt
Von dem Belt bis zum schwarzen Meer.

Trostloß raufet der Greis das ihm gebliebne Haar,
Wirft sein heiliges Haar ausgerauft auf Dein Grab:
Dreimal küßt er den Staub der Deine Leiche dekt,
Dreimal weinet er laut und ruft:

"Warum zeugtest du mich, du, der du mich gezeugt?
Warum zeugete ich, du, den ich zeugte, dich?
Daß mein Auge soll sehn, Sohn, daß dein Auge soll
Catharinen erblasset sehn?"

Jakob Michael Reinhold Lenz
Aus der Sammlung Die Landplagen

  
  

Vorheriges Gedicht von Lenz Nächster Text von Lenz
   Gefällt Dir das Gedicht von Lenz?   ⇒ Kommentar/Rezension
  Weniger   Gut      Sehr gut   Ausgezeichnet     
 

 
   Gedichte, die Sie interessieren könnten ⇒ Übersicht  
19./20. Jh.  • Caspari: Moses - Die Landplagen 
18./19. Jh.  • Langbein: Der Lehrmeister 
Aufklärung  • Lenz: Die Landplagen. II. Die Hungersnoth 
Aufklärung  • Lenz: Die Landplagen. IV. Die Feuersnoth 


Gedichtsuche

  Nur im Titel suchen    
 




Konzept, Gestaltung und Inhalt © B. Ritter - Die Deutsche Gedichte-Bibliothek