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Gott

Die Völker sterben, auf daß Gott lebe.
Saint-Just. (nach Romain Rolland.)


Ihr pochtet an. Er blieb euch zugeschlossen?
Ihr hieltet ihn, doch ist er nicht
In eurer grellen Täglichkeit zerflossen
Wie Schnee am mitleidslosen Licht?

Ihr liebtet ihn, bis eurer er vergessen
Und ließet dann ihn grollend sein?
Könnt ihr verlieren, was ihr nie besessen?
Ist Gott ein Stück, ein Stein,

Den Knaben lose in der Tasche tragen,
Nur weil er katzensilbern blitzt?
Er ward das Werkzeug euch zum Feuerschlagen,
Wenn ihr am Herde sitzt,

Und ward euch Kamm, die Sorgen auszuhecheln,
Das Seil und zieht euch aus dem Teich,
Der Fliegenwedel, Sünden wegzufächeln,
Die Sparbank euch sein Himmelreich,

Sein Wort der Lappen, Seelen blank zu putzen,
Die eingestaubt und blind.
Gott ist nicht brauchbar. Gott bringt keinen Nutzen,
Schafft nicht mit eurem Hausgesind.

Ihr aber formtet ihn nach eurem Bilde,
Habt eure Liebe ihm gegönnt,
Den reinen Quell der Wahrheit und die Milde
Und was ihr sonst noch missen könnt,

Und ginget hin, durchtorkelnd eure Feste,
Und ludet ihn bisweilen ein
Und schenktet ihm am Sabbath Alltagsreste:
Er mag zufrieden sein.

O, und euch wundert, wenn er, statt zu dienen,
Den Lohn euch vor die Füße schmeißt,
Nicht willig wie die Dampfkraft auf den Schienen
Auch euer Wäglein mit sich reißt?

Ihr zinstet ihm; er sollte euch bewahren
Vor Krankheit, Mißgeschick, Bankrott.
Er säumte wohl, ihr nahmt ihn bei den Haaren -
Wie klein ist euer Gott!

Und ist doch Fels, den nicht Titanen stemmen,
Der Baum, dem Axt vergeblich droht,
Der Meere stärkstes, niemals einzudämmen,
Ist nicht nur Leben. Gott ist Tod.

Er flattert nicht wie leichte, schmucke Taube,
Das treugezähmte Tier,
Und kommt und scheidet, je nachdem ich glaube.
Er weilt. Er lastet schwer in mir

Und soll erfordern, daß ich ihn noch finde?
Ich sinke, sieche hin,
Doch ob ich, Wurm, mich unter Sohlen winde:
Gott ist. Trotzdem ich bin.

Gertrud Kolmar
Aus der Sammlung Robespierre

  
  

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