An Julie und Georg von VollmarEs geht durch Arbeit und durch Menschen hin
und wieder Arbeit, stampfend, mühsam, schwer
in einer Zeit, die nichts von Ehrfurcht weiß.
Es ist ein starkes Leben, voll von Sinn,
gespannt in Kraft, in Liebe treu und heiß,
und doch blieb eine stille Sehnsucht leer.
Die Sehnsucht, sich zu beugen frei und gern
vor einem Edlen, das wir noch nicht sind,
die Sehnsucht: uns an Ehrfurcht hinzugeben.
Vor Altern barg sie unbewußt das Kind,
sie wurde wissend, wuchs im tiefsten Kern -
und doch kein Ziel ward ihr geschenkt im Leben.
Jetzt endlich trug der Weg uns auch dahin,
daß wir in Demut frei uns durften beugen:
wir sahn ein Vorbild, unserer Ehrfurcht Zeugen
und unsre Sehnsucht kam zu ihrem Sinn. Friedrich Kayssler
Aus der Sammlung Stunden in Jahren |